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Im Kino: „We Steal Secrets: The Story Of WikiLeaks“

We Steal Secrets: The Story of WikiLeaks

Mit Julian Assange, Sprecher und Redakteur der Enthüllungsplattform WikiLeaks, konnte Alex Gibney nicht persönlich reden – das geforderte „Gesprächshonorar“ von einer Million Dollar wollte der Dokumentarfilmer nicht zahlen. Informationen nur gegen Geld, eine eher bittere Ironie. Dass Gibney in „We Steal Secrets: The Story Of WikiLeaks“ Assange trotzdem nicht nur in den Mittelpunkt, sondern auch immer wieder ins Filmbild rücken kann, verdankt er nicht zuletzt der Eitelkeit des vermeintlichen Chef-Enthüllers: Die Archive der Fernsehsender sind voll mit Assange-Auftritten, Alex Gibney hatte Zugriff auf Veranstaltungsmitschnitte und auch Privataufnahmen von Weggefährten.
Aus Gibneys Darstellung ergibt sich dabei kein sonderlich vorteilhaftes Bild des heute 41-jährigen Australiers mit den weißen Haaren. Julian Assange ist es gelungen, sich zum Synonym für die Aufklärungsarbeit von WikiLeaks zu machen: Bis heute gilt er vielen als Galionsfigur und Märtyrer des Widerstands gegen staatliche Geheimniskrämerei und Propaganda. Doch das ist wohl nur die halbe Wahrheit. Ehemalige Mitstreiter wie Daniel Domscheit-Berg erklären, wie Assange, der charismatische, eigensinnige Hacker, zunehmend die Kontrolle des WikiLeaks-Projekts übernahm und dabei immer öfter die Sorgfalt im Umgang mit Informationen und Informanten spektakulären Meldungen und großen Auftritten geopfert wurde. Assange sei wie ein Rockstar verehrt worden, heißt es, die Arbeit wurde zum Ego-Trip.
Als Assange in Schweden wegen sexueller Übergriffe angezeigt wurde, flüchtete er nach London, seit einem Jahr verschanzt er sich in der Botschaft Ecuadors. Dass mögliche persönliche Verfehlungen WikiLeaks schaden könnten, nimmt Assange in Kauf. Aus den (in Gibneys Film schlüssig dargestellten) Vorwürfen gegen ihn macht Assange eine Rache- und Rufmordkampagne, die WikiLeaks schaden soll.
An den Verdiensten von WikiLeaks lässt Gibney wenig Zweifel. Die Bereitstellung von unvorteilhaften Informationen und unangenehmen Wahrheiten besonders des amerikanischen Militärs und Geheimdiensts zu den Kriegen in Afghanistan und Irak sorgte für Aufsehen und viele kritische Nachfragen. Das war wichtig, findet in Gibneys Film sogar der ehemalige NSA- und CIA-Chef Michael Hayden, und die Informationslecks im aufgedunsenen Sicherheitsapparat wohl unvermeidlich. Anders wäre wohl der US-Soldat Bradley Manning nicht an die verheerenden Geheiminformationen gekommen, die er WikiLeaks zugespielt hat. Manning, der bereits zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde und als Verräter hingerichtet werden könnte, ist das Bauernopfer dieser Geschichte, ein labiler, junger Mann, der gern ein Mädchen wäre. Alex Gibney beschäftigt sich ausgiebig mit Manning und dessen Chats mit dem Hacker Adrian Lamo, der ihn letztlich an das FBI verraten hat. Mit Manning gewinnt „We Steal Secrets“ einen tragischen Helden und die nicht immer stringent inszenierte Doku emotionale Haftung: Im „Informationskrieg“ sind die echten Opfer selten auf den Titelseiten.

Text: Thomas Klein

Foto: 2013 Focus Features, LLC.

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „We Steal Secrets: The Story of Wikileaks“ im Kino in Berlin

We Steal Secrets: The Story of Wikileaks, USA 2013; Regie: Alex Gibney; 130 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 11. Juli

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