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Im Kino: „Whatever Works“ von Woody Allen

Larry David musste für seinen Part in „Whatever Works“ auf solche Manierismen nicht zurückgreifen – er hat seine eigenen. Wenn er als selbst ernanntes Physikergenie Boris Yellnikoff seine Sarkasmen ausspuckt, Panikattacken hat und hypochondrische Anfälle bekommt, wird nicht nur Woody Allens Handschrift sichtbar, sondern vor allem das Figurenrepertoire Larry Davids. Man kennt diesen Typus – allerdings deutlich weniger intellektuell – von dem an Davids Vorbild angelehnten George Costanza aus der legendären Sitcom „Seinfeld“ und natürlich aus der aktuellen Serie „Curb Your Enthusiasm„, in der David die konfrontativ ehrliche Version seiner selbst spielt.
Lange darf das unbequemste Woody-Allen-Alter-Ego seit Harry in „Harry außer sich“ aber nicht ungestört vor sich hinmeckern: In boulevardesker Turbulenz schießt Allen erst die quietschnaive, junge Südstaatlerin Melody (Evan Rachel Wood) und dann deren bibeltreue Eltern (Patricia Clarkson und Ed Begley Jr.) aus der Provinz in Yellnikoffs Leben. Die Reise in die Metropole schenkt allen die überfällige Selbstverwirklichung. Genüsslich spielt Allen mit grob überzeichneten Figurenstereotypen, die sein grandioses Viererensemble enthusiastisch verkörpert, und lässt mit gewohnt angespitzten Dialogen rundum die Lebensentwürfe in Schwingung geraten. Geschrieben hat der unermüdliche Filmemacher diese höchst vergnüglichen Beziehungsverwicklungen, die er nach seiner fünfjährigen Europa-Dreh-Tour endlich wieder im angestammten Manhattan realisierte, bereits in den 1970er Jahren – damals für den füllig aufbrausenden Schauspieler Zero Mostel. Auch deshalb wirkt „Whatever Works“ trotz einiger Skriptmodernisierungen anheimelnd altmodisch, während Allen noch einmal eine Zusammenfassung seiner Sicht auf die Welt gibt, auf die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz, das expandierende Universum und natürlich die Liebe, die dieses ganze elendige Leben irgendwie lebenswert macht. In welcher Konstellation auch immer. Hauptsache, sie funktioniert.

Lesen Sie hier: Ein Interview mit „Whatever Works“-Hauptdarsteller Larry David

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Whatever Works“ im Kino in Berlin

Whatever Works, USA 2009; Regie: Woody Allen; Darsteller: Larry David (Boris Yellnikoff), Evan Rachel Wood (Melody), Patricia Clarkson (Marietta); Farbe, 92 Minuten

Kinostart: 3. Dezember

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