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Im Kino: „Where to Invade Next“

Where to Invade Next

Michael Moore („Bowling for Columbine“) macht sich zum Deppen und seinen ehrlichsten Film dabei. Im Alleingang führt er die Tradition der US-Militärs weiter: In fremde Länder einfallen, um nach Hause zu bringen, was Amerika braucht. Er verfällt dabei auf Europa, und er verfällt Europa dabei. Westeuropa genaugenommen, mit Abstechern nach Slowenien und Tunesien.
Hier findet er jene Ideen vor, die Amerika auf den Schutthaufen des Kapitalismus geworfen hat. Vor seinen Gesprächspartnern mimt Moore den bösen Ami: Du französische Grundschülerin magst keine Cola Cola? Du italienische Motorraddynastie willst keine Gewinnmaximierung? Vor seinen Zuschauern mimt Moore mit entfesselter Freude den Mittelstandsamerikaner: Zwei Stunden Mittagspause, um mit der italienischen Großfamilie zu kochen? Gehalt für welchen 13. Monat? Ein Viergangmenü für französische Grundschüler, auf Porzellanteller serviert? Keine Privatschulen in Finnland? Kostenlose Universitäten in Slowenien? Von innen abschließbare Zimmer für Schwerstverbrecher in Norwegen?
Es ist das Weißbuch des amerikanischen Traums von freier Persönlichkeitsentfaltung, eine Agenda bereits verwirklichter Reformen des Wirtschafts-, Bildungs-, Gesundheits- und Justizsystems, die zusammengenommen einer Revolution gleichkommen. Moores Europa-Affirmation ist eine verzweifelt offene Kritik an Amerika.

Text: Irene Rudolf

Foto: Falcom

Orte und Zeiten: „Where to Invade Next“ im Kino in Berlin

Where to Invade Next, USA 2015, Regie: Michael Moore, 110 Minuten

Kinostart: Do, 25. Februar 2015

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