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Im Kino: „Wiedersehen mit Brundibбr“

Wiedersehen mit Brundibбr

Die Erinnerung an den Holocaust verändert allmählich ihren Aggregatzustand. Die verbliebenen Zeitzeugen sind wenige und hochbetagt, so dass für Jungendliche heute kaum noch Gelegenheit besteht, jenseits von standardisierter Gedenkkultur und Schulbuchwissen Erfahrungen mit dem Zivilisationsbruch zu machen. Douglas Wolfspergers Film „Wiedersehen mit Brundibбr“ dokumentiert den gelungenen Versuch, durch die Inszenierung der im KZ Theresienstadt uraufgeführten Kinderoper „Brundibбr“ eine Annäherung an das Thema zu schaffen.
Der Film nimmt sich die Zeit, das langsame Herantasten, die Widerstände und Einbrüche zu beobachten, die sich während der Proben ereignen. Dass die Mitglieder der an Berliner Schaubühne angesiedelten Theatergruppe „Die Zwiefachen“ selbst keine ganz geraden Biographien haben, schafft einen Brückenschlag zur Gegenwart, der weder anmaßend noch naiv ist. Der emotionale Katalysator des Prozesses ist dann aber doch die inzwischen 85-jährige Greta Klingsberg, Hauptdarstellerin der Uraufführung und Auschwitz-Überlebende. Das historische Verständnis mündet bei Darstellern wie beim Zuschauer im Gefühl, welch ein Privileg es ist, diese Frau kennenzulernen.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Joachim Gern

Orte und Zeiten: „Wiedersehen mit Brundibбr“ im Kino in Berlin

Wiedersehen mit Brundibбr, Deutschland/Tschechien 2014; Regie: Douglas Wolfsperger; 88 Min.

Kinostart: Do, 04. Dezember 2014

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