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Im Kino: „Willkommen bei Habib“ von Michael Baumannn

Vier Männer verschiedener Generationen und Milieus, gebeutelt von den großen und kleinen Lebenslügen, streiten mit ihren jeweils eigenen Strategien gegen die existenzielle Bitternis. In Form eines Großstadtpanoramas werden in Michael Baumanns neuem Film „Willkommen bei Habib“ in „Short Cuts“-Manier die Schicksale mehrerer Figuren episodenhaft ineinander verschränkt. Da ist Neco, der – perspektivlos zwischen Ehefrau und Geliebter hin- und hergleitend – seine Wurzeln sucht und am liebsten in die Türkei möchte; anders als sein Vater Habib, der die Verbindung zur alten Heimat gekappt hat, in seinem Imbiss Wurst und Pommes verkauft und erst zum „Türkischen“ findet, als die anatolische Jugendliebe in Stuttgart Hochzeit hält. Da ist der übervorteilte Karrierist Bruno, der nach seinem Firmenrauswurf auf die Barrikaden geht und schließlich als Aushilfe bei Habib an der Fritteuse steht. Und schließlich noch Ingo, der einsame Alte, der unter dem lange vollzogenen Bruch mit seiner längst erwachsenen Tochter leidet.
„Willkommen bei Habib“ ist eine hübsche Culture-Clash-Tragikomödie nach bewährtem Muster, die Figuren reiben sich aneinander und durchlaufen Lernprozesse, was sowohl rührend als auch komisch daherkommt. Das Drehbuch ist hier und da etwas überambitioniert, etwa wenn Neco seinen Vater als „Affirmations-Kanacke“ bezeichnet. Insgesamt gibt das Konfliktfeld einiges her, allerdings streift der Film die Wunden seiner Figuren bloß, ohne den Finger richtig drauf zu legen.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: INDI FILM

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Willkommen bei Habib“ im Kino in Berlin

Willkommen bei Habib, Deutschland 2013; Regie: Michael Baumann; Darsteller: Vedat Erincin (Habib), Burak Yigit (Neco), Thorsten Merten (Bruno); 115 Minuten; FSK 6

Kinostart: 5. Juni

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