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Im Kino: „Win Win“

Win Win

Es ist stets ein Vergnügen, wunderbare Schauspieler wie Amy Ryan und Paul Giamatti im Kino zu sehen. „Win Win“ steht für die Verdopplung dieses Vergnügens: Da sind sie beide in einem Film. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Der Film ist nicht sonderlich gut. Giamatti spielt Mike Flaherty, einen Anwalt in geschäftlicher Krise. Er lebt mit seiner Frau Jackie (Amy Ryan) und zwei Töchtern ab vom Schuss in New Jersey. Dieser Mike ist eine klassische Giamatti-Figur: rein äußerlich tendenziell knuffig; darunter bewegt er sich am Rand der Verzweiflung. Weil der Film alles gern – aber wie nebenbei – unterstreicht, drückt sich das aus in veritablen Panikattacken. Um seine Kanzlei vor dem Bankrott zu bewahren, wird Mike zum gut bezahlten Betreuer seines alzheimerkranken Mandanten Leo (Burt Young), den er betrügerisch dann doch ins Altenheim abschiebt. Dieser Krug geht eine Weile zum Brunnen. Dann bricht er.
Aus dem Nichts schneit Mike und Jackie der Enkel des senilen Mandanten, ins Haus: Kyle (Alex Shaffer), ein mittelschwer pubertierender junger Mann. Teils fügen sich von da an die Dinge, teils wachsen sie sich aus zum Konflikt. Kyle erweist sich als großartiger Ringer im von Mike in der Freizeit betreuten Ringer-Team. Das fügt sich. Dann taucht Kyles Mutter auf und will ans von Mike für sich abgezweigte Geld. Das ergibt einen Konflikt. Regisseur und Drehbuchautor Tom McCarthy würzt mit mehr Komik als Tragik und köchelt alles auf mittlerer Temperatur: Herz will erwärmt sein. Mit großem, aber unauffälligem Eifer zieht die Kamera dazu passend den Kader Bild für Bild möglichst eng, so dass neben dem Konflikt fast keine Welt bleibt. „Win Win“ steht in dieser Übersichtlichkeit dem Dramatischen nahe und wäre als Stück das, was man ein well made play nennt. Spannungen werden entwickelt und am Ende wieder gelöst. Die Charaktere sind auf konventionelle Weise recht rund, man identifiziert sich halbwegs mit ihnen und sie sind allesamt sehr gut gespielt. Der Film ist nicht vollkommen töricht, riskiert aber nichts. Anders gesagt: Es gibt für seine Existenz keinen zwingenden Grund.

Text: Ekkehard Knörer

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Win Win“ im Kino in Berlin

Win Win, USA 2011; Regie: Thomas McCarthy; Darsteller: Paul Giamatti (Mike Flaherty), Amy Ryan (Jackie Flaherty), Bobby Cannavale (Terry Delfino); 106 Minuten; FSK 6

Kinostart: 21. Juli  

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