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Im Kino: „Wir waren ein Mann“

Wir waren ein Mann

Im Herbst 1943 streift ein junger Mann durch einen Wald in Frankreich. Der Farn überragt ihn beinahe, und auch sonst ist dies ein Ort, an dem man sich sehr gut verstecken könnte. Im Dickicht findet er einen Soldaten, den er aufnimmt und pflegt, mit dem er sich aber kaum verständlich machen kann: Rolf ist Deutscher, Guy ist Franzose. Er wäre beinahe ein Opfer der deutschen Euthanasiepolitik geworden, entsprechend misstrauisch ist er nun dem blonden Teutonen gegenüber. Die beiden Männer haben kaum etwas gemeinsam außer ihrer geschlechtlichen Identität. In „Wir waren ein Mann“ („Nous йtions un seul homme“) von Philippe Vallois wird die Sexualität zu der entscheidenden Verständigungsform. Es ist eine wilde, stellenweise grausame Form, in der es auch um Ursprünglichkeit und Kultivierung geht, um Identifikation mit dem „Feind“ und um das Entdecken eines Begehrens, das direkt aus der Natur zu kommen scheint – aus dieser Ambivalenz erwächst der besondere Status dieses Außenseiter-Klassikers des „Queer Cinemas“.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Bildkraft

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Wir waren ein Mann“ im Kino in Berlin

Wir waren ein Mann (Nous йtions un seul homme), Frankreich 1979; Regie: Philippe Vallois; Darsteller: Serge Avedikian (Guy Rouveron), Piotr Stanislas (Rolf), Catherine Albin (Jenine); 91 Minuten; FSK 16

Kinostart: 4. August

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