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Im Kino: „Woody Allen: A Documentary“

Woody Allen: A Documentary

„Ich habe nicht die Konzentration und die Hingabe, um ein großer Künstler zu sein. Ich sehe lieber das nächste Baseballspiel„, sagt Woody Allen über sich selbst, und man wundert sich einmal mehr über die merkwürdige Selbsteinschätzung dieses weltweit von Kollegen, Kritikern und Publikum gleichermaßen so geschätzten Filmemachers. Ist das nun gnadenloser Realismus oder lediglich Koketterie? Er scheint es ernst zu meinen in Robert B. Weides Porträt „Woody Allen: A Documentary“, und wer etwa immer schon die physische Cartoon-Komik eines Jerry Lewis dem letztlich eher literarischen Humor und Kunstanspruch Allens vorgezogen hat, würde ihm wohl beipflichten. Und dabei verkennen, dass Allen in seiner Zusammenarbeit mit dem Kameramann Gordon Willis in den 1970er- und 80er-Jahren nicht nur intellektuell, sondern auch visuell und inszenatorisch durchaus ansprechende Komödien wie „Manhattan“, „Zelig“ und „The Purple Rose of Cairo“ geschaffen hat.
Doch die Frage bleibt: Lässt sich Woody Allen wirklich in die Karten schauen? Es muss bezweifelt werden angesichts dieser Dokumentation, die sich nur allein deshalb als ungewöhnlich bezeichnen darf, weil sich Allen sonst auf derartige Projekte gar nicht erst einlässt. Immerhin konnte ihn Filmemacher Weide rund zwei Jahre lang begleiten und dabei auch ein paar Eindrücke von den Dreharbeiten zu Allens letzem Kinohit „Midnight In Paris“ mitbringen. Doch Allens Zugeknöpftheit, die er gemeinhin gern mit einem kleinen Scherz überspielt, lässt hier gar nicht erst die Idee aufkommen, ihn nach Privatem oder allzu Persönlichem ausquetschen zu wollen. Selbst der große Skandal um die Trennung von Mia Farrow wegen seiner Beziehung zu deren Adoptivtochter Soon-Yi Previn (Allens heutige Ehefrau) gerät so zu einer Marginalie.
Was dem Film also bleibt, ist der Blick auf eine (umfang-)reiche Karriere, die mit dem Instrumentarium einer rechtschaffenen Dokumentation beleuchtet wird: Interviews mit Weggefährten, Ausschnitte aus Filmen und Fernsehauftritten, Einschätzungen von Filmkritikern und ein paar launige Kommentare des Maestros selbst. Niemand erzählt Unsinn, alles ist sehr solide und unterhaltsam, doch allzu viel wirklich Neues kommt dabei nicht heraus. Am interessantesten sind einige Einblicke in Allens Arbeitstechnik und Schauspielerführung sowie in seine weniger bekannte Frühzeit als Gagschreiber und Standup-Comedian.

Text: Lars Penning

Foto: BPlus Productions

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Woody Allen: A Documentary“ im Kino in Berlin

Woody Allen: A Documentary, USA 2011; Regie: Robert B. Weide; 117 Minuten; FSK 0

Kinostart: 5. Juli 

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