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Im Kino: Woody Allens „Blue Jasmine“

Blue_Jasmin_9204000Production---BLJM_c_WarnerBrosSeinen Platz in der Filmgeschichte hat Woody Allen dank Filmen wie „Manhattan“ (1979), „Zelig“ (1983) und „The Purple Rose of Cairo“ (1985) sicher, doch den wirklich würdevollen Abgang aus dem Business hat der mittlerweile fast 78-jährige Filmemacher längst verpasst: Wie unter Zwang produziert Allen jedes Jahr ein neues Werk, das – von wenigen Ausnahmen abgesehen – jeweils doch nur einen routinierten Abklatsch der einstigen Kreativität darstellt. Dabei hat der überzeugte New Yorker Allen mittlerweile massive Probleme, seine Filme zu finanzieren: Die vielen kinotouristischen Reisen durch London, Paris, Barcelona und Rom sind schlicht Ausdruck der Tatsache, dass man vor allem in Europa für die Legende noch ein wenig Geld übrig hat.

Für sein jüngstes Werk „Blue Jasmine“ ist Allen nun in San Francisco angekommen und bedient sich dankenswerterweise einer filmischen Form, die zuletzt für ihn immer noch am besten funktioniert hat: Auf allzu offensichtlich komödiantische Elemente verzichtend, kreist der Film um den massiven Selbstbetrug seiner Hauptfigur, wobei sich ein ausgesprochen bitterer Humor aus der Fallhöhe zwischen irrealem Anspruchsdenken und der harschen Realität ergibt.

Die tolle Cate Blanchett verkörpert die Titelrolle der Jasmine, die, an das Luxusleben an der Seite eines dubiosen Finanzberaters (Alec Baldwin) gewöhnt, nach dessen Verhaftung vor dem Nichts steht: Haus und Vermögen sind weg, was Jasmine zwingt, sich bei ihrer Schwester Ginger (Sally Hawkins), einer leicht trashigen Supermarktkassiererin, einzuquartieren. Doch Jasmine ist nie etwas gut genug: weder die Wohnung noch Gingers Proll-Freunde, weder neue Verehrer noch mögliche Jobangebote. Das Anspruchsdenken lässt sie ohne Aussicht auf ein Happy End nicht los, wobei mit der Zeit deutlich wird, dass auch ihr bisheriges Leben lediglich aus Selbstbetrug bestand.

Doch so faszinierend Blanchetts schauspielerische Tour de Force dabei auch sein mag, alsbald tritt in „Blue Jasmine“ auch die Dauerschwäche von Allens Filmen auf den Plan: Zu viele Leute reden unentwegt so lange hysterisch aufeinander ein, bis sich der Hund in den Schwanz beißt. Bei Woody Allen ist letztlich jeder in endlosen Repetitionen gefangen: die Figuren ebenso wie der Filmemacher selbst.

Text: Lars Penning

Foto: Warner Bros. Entertainment Inc.

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Blue Jasmine“ im Kino in Berlin

Blue Jasmine USA 2013; Regie: Woody Allen; Darsteller: Cate Blanchett (Jasmine), Sally Hawkins (Ginger), Alec Baldwin (Hal); 98 Minuten; FSK 6

Kinostart: 7. November 

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