Kino & Stream

Im Kino: „Wuthering Heights“

Withering Heights

Man erkennt die skulpturale Wirkung des Lichts in der Kinokunst tatsächlich erst im Augenblick seines Entzugs. Andrea Arnolds wuchtige Emily-Brontë-Adaption „Wuthering Heights“ verdichtet das alte Kostümfilmspektakel zunächst auf das (auch beleuchtungstechnisch) äußerst Nötige – auf Menschen, die sich im Dunkel der Nacht oder im undurchdringlichen Nebel bewegen, die im Dreck zu leben haben und ohne Chance bleiben, ihre Sehnsüchte zu realisieren. Arnold stellt in ihrem dritten großen Film (nach „Red Road“, 2006, und „Fish Tank“, 2009) der noblen Cathy (Shannon Beer) einen schwarzen Heathcliffe (Kino-Debütant James Howson) zur Seite: höhere Tochter liebt Underdog. Das werktreu in North Yorkshire mit weitgehend unbekannten Darstellern und gestischer Kamera gedrehte Sturmhöhendrama neigt zu demonstrativer Sinnlichkeit, zeigt, wie die dürren Gräser im Wind zittern, wie der Regen in die Gesichter schlägt. Zwar wird die Regisseurin den Versprechungen, die diese Inszenierung in ihrem übernaturalistischen ersten Teil macht, mit ihrer anschließenden Kehrtwendung ins konventionelle Historiendrama nicht ganz gerecht, aber der Wille, einer von Erstarrungserscheinungen bedrohten Filmgattung neue Energie zuzuführen, überzeugt.

Text: Stefan Grissemann

Foto: Prokino Filmverleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Wuthering Heights“ im Kino in Berlin

Wuthering Heights, Großbritannien 2011; Regie: An­drea Arnold; Darsteller: Shannon Beer (Catherine), Solomon Glave (Heathcliff); 129 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 31. Januar

Mehr über Cookies erfahren