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Im Kino: „Zum Geburtstag“

Zum Geburtstag

Die Abmachungen und Versprechungen, die für ein ganzes Leben gemacht werden, überleben die Jugend in den meisten Fällen nicht. Doch was ist, wenn einem erst nach Jahren oder sogar Jahrzehnten klar wird, dass man damit einst einen schwerwiegenden Fehler beging? Wie die weit zurückliegende Vergangenheit urplötzlich mit ungeahnter Brutalität in die Gegenwart einbricht, illustriert der französische Filmemacher Denis Dercourt mit seiner zweiten Spielfilmarbeit „Zum Geburtstag“. Von zentraler Bedeutung ist darin ein Pakt, den Paul (Mark Waschke) in Teenagertagen in der DDR mit Georg geschlossen hat. Damals überließ ihm der 16-jährige Georg die damalige Freundin Anna. Die einzige Bedingung: Sollte er sie eines Tages zurückwollen, muss Paul sie ihm überlassen. Jahrzehnte später ist Paul immer noch mit Anna verheiratet, hat mit ihr eine Tochter, ist erfolgreich im Job. Doch eines Tages wird das perfekte Leben erschüttert. Erst wird er Opfer seltsamer Erpressungsversuche mit manipulierten Fotos. Und dann taucht auch Georg wieder auf – als Pauls neuer Chef, der sich zunehmend in sein Privatleben drängt und verlangt, dass das Versprechen von einst eingelöst wird.
Sieben Jahre nach „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ hat Dercourt seinen Nachfolgefilm nun in Deutschland gedreht und operiert darin an ungewöhnlichen Schnittstellen: Sein Film ist Krimi, Psychothriller und Beziehungsdrama, greift dabei zudem zurück auf die persönliche Aufarbeitung eines Stücks dunkler DDR-Geschichte. Durchweg auf erhöhtem Intensitätslevel gespielt, hinterlassen vor allem die teuflischen Eindringlinge die stärksten Eindrücke: Sylvester Groth als Georg mit versierter Diabolik und Sophie Rois als seine Partnerin, die mit ihrer kaltschnäuzigen Art sogar noch für einige Anflüge abgründiger Komik sorgt.
Auch wenn Dercourts Ideen vielleicht nicht in jeder Hinsicht aufgehen und durch die betont überartikulierten Dialoge in einigen Szenen die geheimnisschwangere Atmosphäre in unfreiwillige Komik umzuschlagen droht, entwickelt „Zum Geburtstag“ ganz eigenwillige Reize. Mit unterschwelliger Spannung und seltsam künstlich der Wirklichkeit entrückt, wird man hier Zeuge, wie ein Leben, eine Existenz und eine Ehe nach und nach und mit aller Konsequenz zerlegt werden.

Text: Sascha Rettig

Foto: X-Verleih

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Zum Geburtstag“ im Kino in Berlin

Zum Geburtstag, ?Deutschland 2013; Regie: Denis Dercourt; Darsteller: Mark Waschke (Paul), Marie Bäumer (Anna), Sylvester Groth (Georg); 86 Minuten; ?FSK 12

Kinostart: 19. September

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