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Im Kino: „Zwei Tage, eine Nacht“

Im Kino: Zwei Tage, eine Nacht

Die Filme der Dardennes scheinen in ihrem nüchternen Blick auf soziale und familiäre Schieflagen unerbittlich. Doch bei näherem Hinsehen zeigt sich eine gewaltige Zärtlichkeit für den alltäglichen Kampf um Menschenwürde zwischen Reihenhaus und Montagehalle. In „Zwei Tage, eine Nacht“ hat Sandra, die gerade eine schwere Depression überstanden hat, so lange Zeit, um ihren Job zu retten. Dafür muss sie ihre Kollegen überzeugen, zu ihren Gunsten auf eine Prämie zu verzichten. Sie zieht von Haus zu Haus, und mit jeder Tür, die sich öffnet und sie zur Bittstellerin macht, wird sie nackter und verletzlicher. Die großartige Marion Cotillard spielt die Erschöpfung dieser Frau mit kleinen Gesten, die sich in der Wiederholung zum großen Bild des Selbstverlusts im Kapitalismus verdichten. Der Film ist luzide, eben weil er nicht klar ist, keine endgültigen Urteile fällt und mit jeder Figur das Problem des Handelns neu aufmacht.    

Text: Stella Donata Haag

Foto: Christine Plenus/ Alamode Film/ Wild Bunch

Orte und Zeiten: „Zwei Tage, eine Nacht“ im Kino in Berlin

Zwei Tage, eine Nacht (Deux Jours, une nuit), ?Belgien/Frankreich/Italien 2014; Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne;
Darsteller: Marion Cotillard (Sandra), Fabrizio Rongione (Manu), Pili Groyne
(Estelle); 95 Minuten

Kinostart: Do, 30. Oktober 2014

Lesen Sie hier ein Interview mit den Regisseuren: Jean-Pierre und Luc Dardenne im Gespräch

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