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„I\m Still Here“ im Kino

imstillhereSchwer verwirrt war die Öffentlichkeit, als der Hollywood-Star Joaquin Phoenix auf dem Höhepunkt seiner Karriere vor zwei Jahren verkündete, es sei nun genug. Er wolle keine Filme mehr drehen, sondern als HipHop-Musiker reüssieren. Nicht das mindeste bisschen Klärung brachte ein Auftritt in David Lettermans Late-Night-Show: Mit Zottelhaar, Zottelbart und Sonnenbrille schien er in undeutlicher Rede schwer neben der Spur. Die Welt machte Scherze, die Welt war ratlos, die Welt fragte sich, ob das Ganze ein blöder Scherz sein sollte, oder weniger oder mehr. Das angekündigte HipHop-Album blieb jedenfalls aus. Dafür versprach Casey Afflecks Dokumentarfilm „I’m Still Here“ Klärung all der offenen Fragen. Ganz nah dran ist Affleck, sein Schwager und Freund, mit der Handkamera am Privatmann Joaquin Phoenix. Man sieht ihn beim Surfen im Netz (Pornos!), man sieht ihm beim Besuch bei Ben Stiller, der dann bei der Oscar-Verleihung mit einer Zottel-Phoenix-Parodie auftrat. Einmal kommt Edward James Olmos zu Besuch und schwafelt gar merkwürdiges Zeug. Öfter sieht man Phoenix halbnackt, ziemlich durch den Wind und zerknautscht. Er begründet seinen Ausstieg aus dem Hollywood-Business mit Verweis auf einschlägige Entfremdungstheoreme. Als Schauspieler muss er andere spielen, als Rapper ist ihm der Ausdruck seiner selbst in der Kunst eher möglich. Dieser Ausdruck, muss man sagen, ist nicht weniger kläglich als das im Film auftretende Selbst. Nach einigem Hin und Her sitzt Phoenix irgendwann bei Puff Daddy im Studio und legt die Demo-Tapes ein. Die Züge Puff Daddys gefrieren.

„I’m Still Here“ verweigert die Klärung des eigenen Status. Mehr als einmal reagiert Phoenix ungehalten auf die Idee, er erlaube sich nur einen Scherz: „Wir sprechen hier über mein Leben.“ Wenn das Ganze nichts ist als eine erstaunlich konsequent durchgehaltene Performance, dann setzt sie sich im Film jedenfalls fort. Nun geht allerdings das Hollywood-Leben weiter: Phoenix dreht wieder Filme, ist im Gespräch fürs nächste Spike-Jonze-&-Charlie-Kaufman-Projekt. Verbuchen wir „I’m Still Here“ also als mockumentarische Trockenübung für kommende Arbeit in der Fiktion.

Text: Ekkehard Knörer

Foto: Neue Visionen

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „I’m Still Here“ im Kino in Berlin

I’m Still Here USA 2010; Regie: Casey Affleck; 107 Minuten; FSK 16

Kinostart: 11. August

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