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„Im Strahl der Sonne“ im Kino

Wenn man in unseren Breitengraden etwas von Nordkorea hört, dann geht es meist um Atomwaffentests und paranoide Drohungen. Wie der Alltag in dem abgeschotteten kommunistischen Land aussieht, darüber weiß man wenig. Der ukrainisch-russische Regisseur Vitalij Manskij bekam 2014 mehrere Wochen lang die Gelegenheit, in Nordkorea zu filmen und ein Porträt der achtjährigen Schülerin Sin Mi zu schaffen.
Doch das „Drehbuch“ wurde von den Nord­koreanern vorgegeben, die Dreharbeiten streng überwacht. Sin Mi ist eine Musterschülerin, die mit dem Musterschulbus in die Musterschule fährt, ihre Eltern haben Musterberufe in Musterbetrieben, sie wohnen in einer geräumigen Musterwohnung, wo sie ein Muster­essen einnehmen. Und über alledem schwebt die dauerpräsente Herrscherfamilie.
„Im Strahl der Sonne“ ist deshalb ein Dokumentarfilm, bei dem man zwischen den Bildern lesen muss: Manskij zeigt die endlosen „Proben“ der einzelnen Szenen, verweist in sparsamen Kommentaren auf die Diskrepanzen zwischen den Vorgesprächen und dem endgültigen Dreh – und fängt dann doch ­Bilder ein, die zeigen, dass sich auch nord­koreanische Achtjährige bei Kriegsschilderungen ordensbehängter Veteranen zu Tode langweilen. Dabei geht es dem renommierten Dokumentaristen nicht darum, das Land und seine Bewohner zu desavouieren – das schaffen die Offiziellen ganz alleine.     

Text: Lars Penning

Foto: Edition Salzgeber

Orte und Zeiten:
Im Strahl der Sonne

V paprscнch slunce (OT) CZ/EST/RUS/D,Nordkorea 2015, 90 Min.,  R: Vitaliy Manskiy

Kinostart: Do, 10. März 2016

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