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Im tiefen Tal der Therapierten

im_tiefen-tal_2Ob sich wohl auch Lambert wegen seiner Karriere mal bei einem Therapeuten auf die Couch gelegt hat? Weiß man nicht. Der ganz große Durchbruch war für ihn aber ebenfalls nicht drin. Dafür waren seine kleinen Berliner Außenseitergeschichten stets zu undergoundig, eigenwillig und no-budget-hausmacherhaft. Der unermüdliche Berliner Filmemacher hat trotzdem, auch weit jenseits der 37, beharrlich weitergemacht. Nun fügt er seiner Filmographie mit „Im tiefen Tal der Therapierten“ eine weitere Filmfamilien-Unternehmung hinzu – erneut mit überschaubarem Aufwand, dem Charme stark angekiezter Bodenhaftung und einigen der üblichen Verdächtigen wie Magy da Silva, Dieter Rita Scholl und der unverwüstlichen Erika Rabau.

Diesmal schaut sich die Digi-Cam in den Leben einiger hochgradig therapiebedürftiger Menschen um: Der Künstler Schädelwaldt gehört dazu, der eine seltsame Obsession für Totenköpfe pflegt und Konflikte mit seiner Partnerin und seinen 68er-Eltern austrägt. Und Dietrich, der seit einem Unfall die Wohnung kaum mehr verlässt und eine seltsame Beziehung zu seiner tablettensüchtigen Schwester und seiner daueralkoholisierten Mutter hat. Was diese ganz normal Gestörten hier zum Teil verbindet, ist die Therapie beim grauhaarigen Psychologen Dr. George, dessen dominante Gattin allerdings hehre Übernahmepläne für dessen Praxis hegt.

im_tiefen_talZiemlich löchrig erzählt Lambert all diese Geschichten, reißt einiges nur an oder lässt manches einfach wieder fallen. Es geht in „Im tiefen Tal der Therapierten“ schließlich auch um so vieles, dass man damit problemlos auch mehrere Filme füllen könnte: Verkorkste Beziehungen unterschiedlichster Art, künstlerisches Scheitern, das Altern und – wenn auch nicht mehr so deftig wie früher – um Sex und seltsame Lustkonstellationen. So bekommt man zur nie wirklich kräftig zupackenden Dramatik auch einen knackigen Stripper, einem hechelnden Gärtner und eine betagte Mutti, die mit einer Oliver-Kahn-Maske herumsext, bevor alles mit einem Witz endet. „Welches Problem haben Sie denn?“, fragt der Therapeut. „Was immer Sie wollen.“ Hysterisches Lachen, Lostanzen, Abspann. Der zweite Teil ist bereits in Planung.

Text: Sascha Rettig

Im tiefen Tal der Therapierten Deutschland 2008; Regie: Lothar Lambert; Darsteller: Alexander K. (Schädelwaldt), Magy da Silva (seine Freundin), Dieter Rita Scholl (Dietrich); 76 Minuten, Farbe;

Kinostart: 20. November 2008

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