Dokumentarfilm

„Immer noch eine unbequeme Wahrheit“ im Kino

Seit 1989 zieht Al Gore – der unter Bill Clinton Vize-Präsident der USA war und bei der Wahl 2000 um das höchste Amt im Staate betrogen wurde – mit einem Vortrag durch die Lande, mit dem er sein Publikum für die Gefahren der „Globalen Erwärmung“, auch bekannt als „Klimakatastrophe“, sensibilisieren will

Foto: Paramount Pictures and Participant Media

Dieser Vortrag, der sich im Laufe der Jahre aus einer schlichten Diashow in eine multimediale Lektion gewandelt hat, bildete, gemeinsam mit Gores unermüdlichem Unterwegssein im Dienste der Aufklärung, das Kernstück des politischen Dokumentarfilms „Eine unbequeme Wahrheit“ von Davis Guggenheim aus dem Jahr 2006.

Eine gute Dekade später folgt mit „Noch eine unbequeme Wahrheit“ von Bonni Cohen und Jon Shenk nun also eine Fortsetzung, die zugleich Bilanz der Arbeit der vergangenen Jahre zieht: Al Gore war nicht faul; sein Haar mag grauer, sein Körper schwerer geworden sein, aber er ist nach wie vor ein Mann auf einer ihn geradezu beseelenden Mission. Die nicht einfacher geworden ist, sondern eher noch komplexer, berücksichtigt man die mittlerweile unübersehbaren Zusammenhänge zwischen Klima-, Flüchtlings- und Demokratiekrise.

Zur Größe der Aufgabe passt, dass Cohen und Shenk vermittels manipulativer Montage ihren Helden mehr als einmal wie einen Messias wirken lassen, der unablässig Jünger um sich schart oder während der Verhandlungen zum Klimaschutzabkommen in Paris 2015 im Hintergrund an ein paar äußerst wichtigen Fäden zieht. Wie schon der Vorgängerfilm nutzt auch dieser – in dem geradezu rührend altmodischen Glauben an die demokratische Utopie, dass Veränderungen diskursiv durchgesetzt werden – das Medium offensiv propagandistisch als Werkzeug der Mobilisierung sowie als moralische Anstalt. Und wie der Vorgänger steckt auch dieser voller unbequemer Wahrheiten.

An Inconvenient Sequel: Truth to Power (OT) USA 2017, 98 Min., R: Bonni Cohen und Jon Shenk, Start: 7.9.

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