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Dokumentarfilm

„Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ im Kino

Eine gewisse Punk-Attitüde löst auch in der deutschen Provinz keine Schockwellen mehr aus

Foto: Nordpolaris

Als 2002 in Bayerisch-Schwaben vier Jungs eine Band mit dem hübschen Namen Killerpilze gründeten, um einen Pop-Punk à la Die Ärzte zu musizieren, reagierten deren Eltern pädagogisch wertvoll und begleiteten sie zu ihrem ersten großen Auftritt in eine Münchener Montessori-Schule. Kein Wunder, waren die Jungs damals so 13, 14 und der Schlagzeuger erst unfassbare 11 Jahre alt. Der Dokumentarfilm „Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze“ ist zwar voll mit charmanten Anekdoten über die einst „jüngste Punkband Deutschlands“, aber kein Feelgood-Movie, sondern ein präzises Fall-Beispiel über eine Teenieband und die Mechanismen des Musikbusiness.

2006, versehen mit einem Major-Plattendeal, wurden sie mit großem Medientrara als authentischer Gegenentwurf zum Boyband-Kunstprodukt Tokio Hotel präsentiert. Zwei Jahre ging das gut, doch schon nach der zweiten Platte servierte sie die Branche zynisch wieder ab. Ihre Musik sei „im Markt nicht mehr umsetzbar“ wurde ihnen eröffnet. Harter Tobak für immer noch junge Kerle, die eigentlich nur eine Band sein wollten. Das beweisen sie sich jetzt wieder selbst, und davon erzählt der zweite Teil des Films. Ein eigenes Label haben sie gegründet, ihr letztes Album haben sie mittels Crowdfunding finanziert. Gerade mal dabei erwachsen zu werden, haben sie noch Luft nach oben, sich als Musiker neu zu erfinden.

Immer noch jung – 15 Jahre Killerpilze D 2017, 107 Min., R: David Schlichter & Fabian Halbig

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