Arbeits-Tragikomödie

„In den Gängen“ im Kino

Defensiver Held: „In den Gängen“ des Großmarktes, da findet auch das Leben statt

Zorro/ Sommerhaus Filmproduktion

Gleich der Anfang ist auf erfrischende Art dreist: Zu den Klängen des „Donauwalzers“ von Johann Strauß Jr. schweben förmlich Gabelstapler durch die Gänge eines Großmarkts – Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ lässt mit einem Augenzwinkern grüßen. Und dann wird der Christian (Franz Rogowski), der „Frischling“, vom Rudi (Andreas Leupold) eingekleidet und dann vom Bruno (Peter Kurth) eingeführt in seinen neuen Arbeitsplatz: Getränkeabteilung.

Schon bald lernt der schweigsame Neuling die Gesetzmäßigkeiten in diesem Mikrokosmos irgend­wo in Ostdeutschland kennen: Wer darf welchen Stapler benutzen? Welche Abteilung pflegt eine Hassliebe zu einer anderen? Was bedeutet „Sibirien“? Und vor allem: Wer ist die ­reizende Kollegin von den Süßwaren? Bald ­erfahren wir, dass die Marion (Sandra Hüller) Probleme mit ihrem Gatten hat. Doch wird Christian dadurch zum Helden? Mitnichten, er bleibt fast so defensiv wie zu Beginn.

Jeder, der einmal in einer Fabrik oder ähnlichem malocht hat, wird erkennen, wie genau Autor und Regisseur Thomas Stuber hingesehen hat, wie exakt er Hierarchien, Vokabular, Kollegialität und kleinere Scharmützel in seinem Arbeitsalltagsdrama aufzeigt und dabei immer wieder die Szenerie mit einem leisen Humor anreichert, der bevorzugt von Christians stoischer Art lebt. Völlig zu Recht hat Franz Rogowski für seinen Part den Deutschen Filmpreis als Bester Hauptdarsteller bekommen, niemand kann so wunderbar schweigen wie er. Pure Präsenz. Zugleich erzählt Thomas Stubers wunderbarer Film sehr viel über die Befindlichkeiten ganz normaler Menschen im 21. Jahrhundert. So wird aus Alltagsbeobachtungen großes Kino.

In den Gängen D 2018, 120 Min., R: Thomas Stuber, D: Franz Rogowski, Sandra Hüller, Peter Kurth,
Andreas Leupold, Kinostart: 24.5.

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