Kostümkomödie

In „Love & Friendship“ wird grandios intrigiert

Die Romane der britischen Schriftstellerin Jane Austen (1775-1817) kreisen lediglich um ein Thema: die Heirat und all jene emotionalen und sozialen Verwicklungen, welche die Suche nach einem geeigneten, sprich materiell gut ausgestatteten Ehemann für die jungen Frauen des britischen Landadels mit sich brachten. Denn Ende des 18. Jahrhunderts gestalteten sich die Karriereoptionen für Frauen eher bescheiden, zumal, wenn man sich in Kreisen bewegte, für deren Angehörige Arbeit etwas war, was nur anderen unglückseligen Menschen zustieß.

Love & Friendship
Foto: BLINDER FILMS, CHIC FILMS, REVOLVER AMSTERDAM, ARTE France Cinema

Austens genauer und ironischer Blick auf die gesellschaftlichen Zustände ihrer Zeit finden sich auch in Whit Stillmans, auf Austens Briefroman „Lady Susan“ beruhender Kostümkomödie wieder. Hier ist es die jung verwitwete Lady Susan (Kate Beckinsale), die für ihre erwachsene Tochter Frederica und natürlich für sich selbst die passenden Partien sucht. Dazu werden Verwandte besucht, bei denen man sich ganz selbstverständlich einquartiert, und während nach außen die Konventionen gewahrt werden, wird hinterrücks mit sagenhafter Selbstverständlichkeit hemmungslos intrigiert.

Moral und Gewissen sind nur etwas für Dumme, gewinnen kann nur, wer seine soziale Intelligenz einzusetzen weiß. Im Wesentlichen ist „Love & Friendship“ ein exzellentes Konversationsstück: mit glänzend aufgelegten Schauspielern, geschliffenen Dialogen voller Ironie und einem abgrundschwarzen Blick auf Konventionen. Ein kleiner Kostümfilm mit großem Unterhaltungswert.

Love & Friendship IRL/F/NL 2016, 92 Min., R: Whit Stillman, D: Kate Beckinsale, Morfydd Clark, Tom Bennett, Start: 29.12.

Bewertungspunkte2

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