Drama

In Paris ist man „Einsam Zweisam“

Isoliertes Dasein: Das Leben Wand an Wand in der Großstadt

STUDIOCANAL / Emmanuelle Jacobson-Roques

Ganz dicht beieinander, und doch so fern. Mélanie und Rémy trennt nur eine Wand, die dick genug ist, dass beide (so gut wie) nichts vom anderen mitbekommen. Steht Mélanie, gespielt von Ana Girardot, auf ihrem winzigen Pariser Balkon und isst einen Apfel, rückt Rémy kurz darauf auf seinen Balkon vor und öffnet ein Bier. Wie zwei bewegliche Figürchen eines Wetterhäuschens bewohnen beide dasselbe Gehäuse und haben ihren großen Auftritt doch stets unabhängig voneinander.

Überhaupt zeigt Regisseur Cédric Klapisch („L‘auberge espagnole“) in seinem Film „Einsam Zweisam“ zwei völlig unterschiedliche Lebensmodelle. Mélanie, die sich eigentlich auf eine wichtige wissenschaftliche Arbeit vorbereiten müsste, schafft es einfach nicht, wach zu bleiben. Im Gegensatz zu Rémy, der von Klapisch, welcher auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, mit einer hartnäckigen Insomnie bestraft wird. Akademisch geht es bei ihm nicht gerade zu – Rémy ist das, was man einen Arbeiter nennen könnte –, aber der Gedanke an die Rationalisierung von Arbeitsplätzen aufgrund um sich greifender Automatisierungsprozesse verfolgt ihn bis tief in die Nacht.

Im Grunde wird schnell klar, dass beide sich gegenseitig ein guter Trost sein könnten – in dieser Metropole voller Menschen, die ihre Dreißiger mit Dating-Apps und/oder Katzen, jedoch ohne Lebenspartner zubringen. Dass das Glück in „Einsam Zweisam“ so sehr an die Liebe gekoppelt ist (zu deren Entfaltung freilich die ein oder andere persönliche Hürde genommen werden muss), mag ein bisschen ärgern, ganz weltfremd ist Klapischs Perspektive derweil nicht. Insgesamt kommt das Drama sympathisch und bekömmlich daher, also ungefährlich. Jedenfalls, wenn man einige jüngere französische Produktionen zum Vergleich nimmt, wie etwa Safy Nebbous „So wie du mich willst“, in dem Juliette Binoche im Facebook-Wahn einen jungen Mann vielleicht ins Verderben reißt. Jener Mann ist übrigens François Civil, der Rémy in „Einsam Zweisam“. Bei Klapisch wird er zum nachdenklichen, isolierten Besitzer einer Katze. Vielleicht weiß die ja, wie man von einer Wohnung in die andere gelangt…

Einsam Zweisam F 2019, 110 Min., R: Cédric Klapisch, D: François Civil, Ana Girardot, Camille Cottin, François Berléand, Start: 19.12.

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