Drama

„In the Middle of the River“ im Kino

Zu Beginn schwarze Leinwand und schweres Atmen. Dann ein Lichtfetzen. Gabe (Eric Hunter) zertrümmert mit bloßen Händen den Handtuchspender in einem Tankstellenklo.

Weydemann Bros./ Bogumił Godfrejów

Die nervöse Handkamera folgt ihm raus zu den Autos. Dort sucht Gabe Streit mit einem Rocker Marke Hells Angels – und findet ihn. Er springt in ein Auto, die Fahrerin gibt Gas. Er schlägt mit seinem Kopf gegen das Handschuhfach. Erst als Gabe im Wohnwagen seinen kleinen Neffen beruhigen will, entspannt sich auch die Kameraführung. Aber nur kurz.

Gabe, der unehrenhaft entlassene Irak-Veteran, will herausfinden, wer seine Zwillingsschwester ermordet hat. Fünf Jahre war er weg aus dieser staubigen Kleinstadt in New Mexico. Ihm fehlt ein Unterschenkel, dafür hat er eine Posttraumatische Belastungsstörung im Gepäck. Er will alles gut und auch wiedergutmachen. Den vorbestraften Bruder vor dem Gefängnis bewahren, die Großmutter vor dem prügelnden Großvater beschützen, die vor fünf Jahren verlassene Ex-Freundin um Verzeihung bitten. Aber er braucht Schmerzmittel ­wegen der Amputation, weil Obamacare zwar für Medikamente, aber nicht für Therapie bezahlt. Langsam begreift er, dass er danach süchtig ist. Als Gabe den Großvater des Mordes an seiner Schwester verdächtigt, dreht auch er an der Gewaltspirale weiter.

US-Regisseur Damian John Harper (aktuelle Homebase: Berlin) liefert ein düsteres Gesellschaftsdrama aus Post-Obama-Country. Es macht beim Betrachten atemlos. Harper vernetzt die Figuren und ihre Geschichten zu einer Sozialhölle, aus der es keinen Ausweg zu geben scheint. Dabei setzt er zum großen Teil auf Laienschauspieler – und gewinnt. Eric Hunter, der als Soldat in Afghanistan ein Bein verloren hat, sticht mit einer starken Performance hervor.

In the Middle of the River USA/D 2018, 113 Min., R: Damian John Harper,
D: Eric Hunter, Max Thayer, Matthew T. Metzler, Nikki Lowe, Start: 16.8.

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