Kino & Stream

„Independent Filmfestival“ im Kino Filmkunst 66

ASHES_OF-TIME-REDUXDie Liste der Namen ist eindrucksvoll: Chris­tian Bale, Woody Harrelson, Ellen Page, Steve Bus­ce­mi, Jason Statham, Sigourney Weaver, Ben Kingsley, Willem Dafoe, Anthony Hopkins, Naomi Watts, Audrey Tautou, Edward Norton, Tony Leung und Leslie Cheung sind zu sehen. In Filmen von Werner Herzog, Paul Schrader, Guy Ritchie, Agnes Jaoui, Wong-Kar-wai und anderen. Doch die Prominenten sind nur auf der Leinwand zu Gast. Das Independent Filmfestival im Filmkunst 66 hat keinen roten Teppich und keine Stargäste, hier geht es einzig und allein um die Filme.

Einige der Arbeiten laufen nicht das erste Mal auf einem Fes­tival in Berlin, aber das illustriert ein größeres Dilemma. Paul Schraders „The Walker“ war 2007 im Berlinale-Wettbewerb zu sehen, Ellen Page („Juno„) konnte man im selben Jahr in Bruce McDonalds Panorama-Eröffnungsfilm „The Tracey Fragments“ ent­decken. Beide Werke sind vor Kurzem als DVD-Premieren in Deutschland erschienen, es ist also nicht so, dass sie vollkommen unsichtbar wären. Die Anzahl der produzierten Filme wächst, ebenso die Möglichkeiten, sie in ir­gend­einer Form für sich alleine zu Hause zu sehen: auf DVD, BluRay oder auch als illegale Downloads auf dem Computer. Aber Franz Stadler, der mittlerweile seit über 30 Jahren in Berlin Programmkino macht, ist nun mal ein großer Kinofan, der Filme am liebsten auf der großen Leinwand sieht und zeigt.

RESCUE_DAWNDort aber, als Teil des regulären Verleihprogramms, hat das Beson­dere zunehmend weniger Chancen. Wenn die Feuilletons während der Festivals von Berlin, Cannes und Venedig den Stand der avancierten Kinematografie verhandeln, kann der daheimgebliebene Cineast sich nur die Namen merken und hoffen, dass er ihnen eines (fernen) Tages wieder begegnet. Die Digitalisierung des Kinos, also die Möglichkeit, Filme statt von sperrigen 35-mm-Zelluloid-Kopien von handlichem – und zunehmend qualitätsverbessertem – digitalem Material vorzuführen, eröffnet dafür neue Chancen. Gleichwohl werden sie noch nicht so intensiv genutzt. Denn die Rechte für die Vorführung einzuholen bleibt weiterhin aufwendig, auch werden Kinobetreiber, die sich derart selber um die Filme kümmern, nicht unbedingt mit niedrigeren Gebühren belohnt.

Franz Stadler nutzt das digitale Angebot mittlerweile kontinuierlich in seinen Reper­toirevorführungen im Nachtprogramm am Wochenende, und er kann bei dem diesjährigen Festival erstmals auch BluRay-Material vorführen. Das eröffnet ihm auch verbesserte Möglichkeiten, die klassische Programmkinotugend der Kombination unterschiedlicher Filme in einem Programm zu pflegen. So läuft der für die US-Fern­sehreihe „Masters of Horror“ von Stuart Gordon inszenierte, knapp einstündige „The Black Cat“ zusammen mit dem thematisch verwandten 25-minütigen polnischen Animationsfilm „Schuld und Sühne„, den Stadler auf einer amerikanischen DVD-Kurzfilmkompilation entdeckte.

Den ganzen Artikel des tip-Autoren Frank Arnold lesen sie in der aktuellen tip-Ausgabe 15/2009

Independent Filmfestival. Festival der Film­entdeckungen Filmkunst 66, Do 9. bis Mi 29.7., täglich drei Vorstellungen; Termine siehe www.filmkunst66.de

Mehr über Cookies erfahren