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„Inglorious Basterds“-Premiere am Potsdamer Platz

Als Quentin Tarantino im vergangenen Jahr nach Berlin kam, um hier seinen neuen Film zu drehen, in dem eine Gruppe amerikanisch-jüdischer Soldaten während des Zweiten Weltkriegs Nazis abschlachtet, war in der Stadt der Teufel los. Nun feiert das frei interpretierte Remake eines 70er-Jahre-Trash-Klassikers Premiere. Vermutlich werden Sie nicht zu den wenigen Auserwählten gehören, die neben Tarantino und seinen deutschen Stars Christoph Waltz (Foto), Daniel Brühl und Til Schweiger den Film im Theater am Potsdamer Platz sehen dürfen. Auf dem roten Teppich wird aber genug los sein, denn selbst Brad Pitt hat sein Kommen angesagt.
Zu sehen war der Film bereits auf dem Fimfestival in Cannes. Die Kommentare waren jedoch wenig erfreulich: Langweilig und ohne Biss erzählt, war zu lesen. Tarantino selbst äußerte sich zurückhaltend: Es sei nicht der finale Cut.
Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“ hält viele Überraschungen bereit, und die erste ist, dass darin nicht die titelgebenden „Basterds“ (Brad Pitt, Eli Roth, Til Schweiger, Gedeon Burkhard) die Hauptrolle spielen, auch wenn sie im Zweiten Weltkrieg als US-Terrorkommando bei den Wehrmachtstruppen im besetzten Frankreich überaus effektiv Angst und Schrecken verbreiten. Es sind die von deutschen und österreichischen Darstellern verkörperten Nazifiguren, die den amerikanischen Skalpjägern die Schau stehlen.
Allen voran: Colonel Hans Landa, der „Jew Hunter“, den Christoph Waltz mit überaus großer Lust an der Mehrdeutigkeit spielt. Schon in der ersten Szene des Films übt er sadistischen Druck auf einen Bauern aus, der eine jüdische Familie versteckt hat, später wird er nicht minder hintersinnig als Goebbels’ Sicherheitschef in Paris einer zitternden Verdächtigen feinsten Apfelstrudel mit Milch anbieten. In seinen Händen scheinen alle Fäden der Erzählung zusammenzulaufen, aber auch auf Landa warten blutige Überraschungen. „Inglourious Basterds“ hat fast alle greifbaren Sub-Genres des Weltkriegskinos aufgesogen, Nazi-Propagandafilme, Makkaroni-Movies wie Castellaris „The Inglorious Bastards“, subtile Klassiker wie „To Be or Not to Be“ oder Aldrichs Ensemblefilm „The Dirty Dozen„, von dem sich Tarantino auch zum geplanten Anschlag auf die deutsche Führung, Hitler abwärts, inspirieren lässt. In einem Kino in Paris überkreuzen sich unter Landas Augen die Verschwörungsgeschichten, und die bildgewaltige Lösung, die Tarantino in einem von Nitratfilmbüchsen befeuerten Flammeninferno findet, ist tatsächlich irrwitzig, komisch und atemberaubend explosiv. In „Inglourious Basterds“ erscheint bald gar nichts mehr unmöglich.

Text: RW

Lesen Sie dazu auch: Ein Interview mit „Inglorious Basterds“-Star Christoph Waltz

Inglourious Basterds Galapremiere mit Quentin Tarantino und Christoph Waltz, Brad Pitt, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard und August Diehl, Di 28. Juli, Theater am Potsdamer Platz, ab 18 Uhr

Fotos vom roten Teppich vor der Galapremiere im Fotoblog:  http://bit.ly/E3TyW

Filmstart 20. August. Eine ausführliche Besprechung folgt in tip 18/09 (ab 19.08.)

 

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