Kriegsdrama

„Innen Leben“ im Kino

Wenn die Bomben fallen, müssen alle in die Küche. Nicht, dass man hier in Sicherheit wäre, aber dort gibt es einen Anschein von Rückzug in einer großen (ehemals wohl großbürgerlichen) Wohnung in Damaskus, in der eine Gruppe von Menschen gefangen sitzt

Foto: Weltkino

Draußen ist Krieg, von dem man in Philippe Van Leeuws Film „Innen Leben“ nicht viel mehr mitbekommt als Detonationsgeräusche, Schüsse von Heckenschützen und Hubschrauberlärm. Drinnen sind die Menschen, einst Bürger eines Landes, das nun in Agonie liegt. „Innen Leben“ stellt einen Versuch dar, diese Agonie nachvollziehbar zu machen.
Oum Yazan (Hiam Abbass, der größte Star aus Palästina, mit Filmen wie „Lemon Tree“ oder „Exodus – Von Göttern und Königen“) tut alles, um eine Art Alltag aufrechtzuerhalten. Doch das philippinische Hausmädchen Delhani wird Zeugin eines Vorfalls, der die ganze Notgemeinschaft betrifft, über den sie aber schweigen soll. Und dann klopfen zwei Männer an die notdürftig gesicherte Tür.
„Innen Leben“ macht keine Anstalten, die komplizierten Frontverläufe in Syrien zu entwirren. Hier zählt nur ein entscheidender Unter­schied: der zwischen einer bedrohten Menschlichkeit und einer unfassbaren Gewalt, die Van Leeuw in einer Schlüsselszene hautnah werden lässt. Bei der diesjährigen Berlinale war „Innen Leben“ ein Publikumsliebling, wohl weil hier eine Katastrophe, an die man sich unweigerlich zu gewöhnen beginnt, auf einmal wieder ganz nahe rückt.

Insyriated (OT) B/F/LIB 2017, 85 Min., R: Philippe Van Leeuw, D: Hiam Abbass, Diamand Abou Abboud, Start: 22.6.

 

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