Kino & Stream

"Integrative Aufgabe" von Lars Penning

"Integrative Aufgabe" von Lars Penning

Neulich las ich eine E-Mail: "Medienboard fordert Film- und ­Kinoprojekte für Geflüchtete." Sofort entstand vor meinem geistigen Auge das Bild ­eines Dentallaborassistenten aus dem syrischen Aleppo, der gerade seine gesamten Ersparnisse irgendwelchen Schlepperbanden in den Rachen geworfen hat, um mit Frau und Kindern unter Entbehrungen und Lebensgefahr in die EU zu flüchten. Der nun in Berlin in einer Notunterkunft haust und sich vor dem ­Lageso die Beine in den Bauch steht. Der mit der deutschen Bürokratie und der Sprache kämpft. Der ein Jahr lang in zermürbender Ungewissheit lebt, ehe der Bescheid über den Ausgang seines Asylverfahrens erfolgt. Und dann macht das Medien­board neben dem Lageso einen Stand auf und sagt: "Wollen Sie nicht vielleicht einen Film ­drehen? Hier ist schon mal der ­Antrag auf Fördermittel, reichen Sie ihn doch bitte mit drei Durchschlägen ein!"
Doch dann las ich die Mail noch einmal richtig. Ich hatte die kleinen Striche auf dem o übersehen. Das Medienboard fordert gar nichts. Richtig lautete die Betreffzeile: ­"Medienboard fördert Film- und Kinoprojekte für Geflüchtete." Und es geht dabei um eine Initiative der Deutschen Filmakademie, bei der einheimische und geflüchtete Jugend­liche unter Anleitung von Medienpädagogen Kurzfilme ­drehen können. Das klingt doch nun wirklich nach einer sinnvollen integrativen Aufgabe und einer schönen Heranführung an unsere audiovisuelle Welt. Glücklicherweise hatte nur meine eigene Vernunft mich einen Moment im Stich gelassen.

Mehr über Cookies erfahren