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Interview mit Ben Stiller (und Owen Wilson)

Interview mit Ben Stiller (und Owen Wilson)

Ben Stiller ist ein sehr beschäftigter Mann. Und zwar schon seit den frühen neunziger Jahren, als er mit einer eigenen Fernsehshow als Komiker bekannt wurde. Es war ungefähr zur Zeit seines zweiten Films „The Cable Guy“ (1996), als er gemeinsam mit Drake Sather eine Figur erfand, für die es damals nur zu einem Sketch reichte: das männliche Supermodel Derek Zoolander, gesegnet mit einem Look, der als Superwaffe funktioniert, aber auch mit unübersehbaren synaptischen Defiziten. „The Cable Guy“ wurde ein Misserfolg, an dem Stiller sich bis heute abarbeitet. Mit Derek Zoolander stand die Sache auch auf der Kippe, der Film, der 2001 auf den Sketch folgte, galt als fast zu schräg für ein breites Publikum. Aber über die Jahre entwickelte sich daraus ein Kultphänomen, sodass eine Fortsetzung irgendwann nahelag.
Nun ist sie da: An „Zoolander 2“ ist Ben Stiller als Autor, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller beteiligt, es ist ganz und gar sein Film, und gleichzeitig ein großer Ensemblespaß. Bei der Präsentation in Berlin versucht Stiller tunlichst, von sich abzulenken. Er hat ein paar befreundete Stars mitgebracht, die alle zu dem großen Vergnügen beitragen, das „Zoolander 2“ ausmacht: Penйlope Cruz, Will Ferrell, und vor allem Owen Wilson. Der Darsteller des Hansel, des „lächerlich gutaussehenden“ Kompagnons von Derek Zoolander, hat zwischen den beiden Teilen auch schwere Zeiten durchgemacht (ein Selbstmordversuch), nun scheint er bester Laune. Er versucht, das Interview aufzumischen, aber Ben Stiller zeigt sich seriös.

tip Mr. Stiller, „Zoolander“ hat sich zu einem dieser Filme entwickelt, von dem manche Leute die Dialoge auswendig können, weil sie ihn sich bis zu 50 Mal angeschaut haben. Er ist in die Populärkultur eingegangen wie nur wenige Komödien. Sind Leute ein wenig durchgedreht, die so fanatisch einen Film verehren?
Ben Stiller Vermutlich sind sie ein wenig verrückt, aber zugleich habe ich vor so was auch großen Respekt. Für diese Leute vor allem haben wir die Fortsetzung gemacht, vor ihnen muss „Zoolander 2“ bestehen.

tip Die Ankündigung des Comebacks von Derek Zoolander und Hansel erfolgte einigermaßen spektakulär 2015 auf einer Modeschau von Valentino. Wie kam es dazu?
Ben Stiller Wir hatten diese Idee, überraschend auf einem richtigen Laufsteg aufzutauchen. Und wir wollten dafür ein richtig ikonisches Modehaus gewinnen. Es war toll, dass Valentino sich darauf einließ und den nötigen Humor dafür aufbrachte. Die Vorbereitung waren hoch geheim, wir waren dann ganz schön nervös, als es losging. Das hätte übel nach hinten losgehen können. Nicht einmal die Models wussten Bescheid, man kann in einem Video sehen, wie eines gerade noch zurückgezogen wird – sie hätte um einen Haar unseren Auftritt ruiniert. Als wir draußen waren, ging es nur um eins: nicht stolpern, und irgendwie den Look hinkriegen. Am Ende fühlte sich alles an, als hätten wir die Superbowl gewonnen.

tip „Zoolander 2“ hat mehr Gastauftritte denn je in einer wilden Satire auf den Jugendwahn der Modebranche. Den ersten hat Justin Bieber. Hat auch jemand abgesagt?
Ben Stiller An dem Drehbuch zur Fortsetzung haben wir seit 2009 gearbeitet, und Justin haben wir 2010 zum ersten Mal gefragt. Da hat sich auch in der Zwischenzeit eine Menge verändert bei ihm, aber er blieb bei der Stange. Er vermittelt die zentrale Idee des Sequels: dass der „look“  von Derek zu einer geheimen Botschaft geworden ist, zu einem Code in einem Kult. Abgesagt hat leider Laura Bush. Dabei hatten wir ihr nicht einmal gesagt, dass sie für die Orgienszene mit Hansel vorgesehen war. Sie ist ein Fan des ersten „Zoolander“.
Owen Wilson Beim Thema Orgien begreife ich erst wieder, wie weit Hansel seiner Zeit voraus war. Orgien und Yoga. Heute ist Los Angeles ja ein einzige Yoga-Stadt.
Ben Stiller?Und auch eine Stadt der Orgien.    ?

tip Wie wichtig ist es für Sie, selbst Regie zu führen? Sie sind als Schauspieler schließlich höchst erfolgreich.
Ben Stiller Ich wollte immer schon ein Regisseur sein, seit ich ein Kind war. Ich stamme aus einem Komikerhaushalt, ich erinnere mich an eine Verfilmung von The Tell-Tale Heart von Edgar Allan Poe, in der mein Vater die Hauptrolle spielte (Jerry Stiller wurde vor allem als Vater von George Costanza in der Sitcom „Seinfeld“ bekannt, A.d.R.). Als Regisseur muss man alles dafür tun, dass am Set eine Atmosphäre herrscht, in der die Schauspieler sich frei entfalten können. Da steckt eine Menge Arbeit dahinter, die nicht immer gesehen wird.

tip Gibt es ein Geheimnis des Komischen?
Ben Stiller Komik bedeutet, sein Ego nicht so wichtig zu nehmen. Das bedeutet aber umgekehrt, dass man sich nicht über die Figur erheben darf. Derek ist sicher ein Einfaltspinsel, ich darf allerdings nicht erkennen lassen, dass mir das bewusst ist. Ich muss ihn umso mehr ernstnehmen, das Publikum soll sich über ihn amüsieren, nicht ich. Es gibt Schauspieler, die ihr Ego sehr wichtig nehmen. Die sagen zum Beispiel: eine Kotzszene? Nicht mir mir? Aus Prinzip mache ich so was nicht. Manchmal denke ich, ich sollte vielleicht auch ein paar Prinzipien dieser Art haben. Aber dann wäre ich heute wohl nicht hier.

Interview: Bert Rebhandl

Foto: Philippe Antonello/ 2015 Paramount Pictures

Zoolander 2
(OT) USA 2016; R: Ben Stiller; D: Ben Stiller (Derek Zoolander), Owen Wilson (Hansel), Will Ferrell (Mugatu)

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