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Interview mit Filmemacher Detlev Buck

Detlev_Bucktip: Herr Buck, die Spanne in ihrem Werk wird immer größer. Sehen Sie überhaupt noch Verbindungspunkte zwischen einem Film wie „Knallhart“ und „RubbelDieKatz“?
Detlev Buck: Das liegt nicht so extrem auseinander. In beidem vermischt sich Ernstes mit Humor beziehungsweise umgedreht: Humor mit Ernstem, wie bei „RubbelDieKatz“. Ich mische da gern. Was auch wiederkehrt in beiden Filmen sind bestimmte Symbole. Die Schuhe zum Beispiel in „Knallhart“, die haben ja eine eigene Dramaturgie.

tip: Gibt es solche Symbole auch in „Rubbeldiekatz“?
Buck: Ja, zum Beispiel der rosa Elefant.

tip: … der in der zweisamen Barszene auftaucht, in rosa Plüsch, und den Tanz eröffnet …
Buck: Das ist eine Szene, die für mich sowas wie die Mutter des ganzen Films ist: Als die beiden (Matthias Schweighöfer und Alexandra Maria Lara, Anm. d. Red.) in der Bar sitzen und es heißt: „Was ist Liebe?“ – „Wenn man zusammen etwas sieht, was die anderen nicht sehen.“ Das ist dann der rosa Elefant. Ich finde mich gut in beidem wieder, ob Drama oder Screwball-Comedy. Ich mag Abwechslung.

tip: Waren Sie damals überrascht, welche Wellen „Knallhart“ in der Neukölln-Debatte schlug?
Buck: Der Filmstart fiel ja zusammen mit dieser Debatte. Es gab auch Lehrer der Rütli-Schule, die den Moment nutzen wollten, um eine vorhandene Aufmerksamkeit noch größer zu machen. So etwas hilft aber einem Film nicht, wenn die gesellschaftliche Diskussion plötzlich größer wird als er selbst. Viele denken dann: „Nee, das will ich mir nicht antun, das lese ich mir vielleicht mal durch in der Zeitung.“ Wenn gesellschaftlich so laut diskutiert wird, kippt es um. Das ist oft so. Dabei hat der Film ja ein anderes Geheimnis, als es Medien, die schneller sind als der Film, wiedergeben.

tip: In „Knallhart“ haben Schauspieler beeindruckt, die man noch nicht auf dem Schirm hatte: David Kross oder sein Gegenspieler Oktay Özdemir. Im neuen Film haben Sie sich für bekannte Gesichter entschieden.
Buck: Gut, bei Matthias Schweighöfer weiß man, dass er der Schwarm ist, das ist aber jetzt erst durch seinen eigenen Film „What A Man“ so eindeutig. Dass er komisches Talent besitzt, steht außer Frage. Ich vergleiche ihn gern mit Messi, wenn der einen Ball annimmt und einen Instinkt hat, den nicht viele haben. Aber so einer darf auch nicht, so wie in der argentinischen Nationalelf, die ganze Verantwortung allein tragen. Nein, Matthias in einer solchen Rolle – das ist natürlich nicht neu.

tip: Worin liegt die Überraschung?
Buck: In der Kombination, auch wie sich bestimmte Szenen abspielen. Dass zum Beispiel das Paar gleich am Anfang ins Bett geht, das macht niemand in einer Romantic Comedy, das ist ein absolutes No-Go! Was mir auch wichtig war, sind Besetzungen wie die des Hollywood-Regisseurs mit Joachim Meyerhoff vom Burgtheater; der noch nie in einem Film gespielt hat. Ich wollte, dass es niemand macht, den man kennt, damit man nicht denkt: ‚Was spielt der denn jetzt einen Amerikaner, was soll der Scheiß?‘ Meyerhoff macht das fantastisch: diesen Regisseur, der da seine teure „Triologie“ macht, der aber echte Titten nicht unterschieden kann von falschen.

tip: Durch das ‚Film im Film‘-Szenario mit Nazi-Kostümen muss man an Tarantinos Babelsberg-Produktion „Inglourious Basterds“ denken.
Buck: Es sind auch Sätze von ihm drin, die der Regisseur spricht. Die sind teils original Tarantino. Wenn er Matthias anmacht: „A pen, you need a pen?! You’re fired, you’re out!“. Ich hatte Tarantino auch direkt angefragt, für die Rolle des Regisseurs, über Simone Baer, die auch „Basterds“ gecastet hatte. Aber die Antwort ist ausgeblieben.

tip: Es ist der erste Buck-Film mit Nazi-Uniformen.
Buck: Stimmt. Aber im Trailer kommen die Nazis nicht vor. Da hatte man Angst vor. Ich hab‘ Kinobetreiber gehört, die sagten: „Bitte lasst die Nazis raus!“ Dem habe ich dann nachgegeben. Die Kinobesitzer haben schlechte Erfahrungen, auch durch die Komödien über Hitler, die eben nicht laufen. Kinos sind auch Wirtschaftsunternehmen, da haben sie Angst, dass der Weihnachtsfilm, den sie setzen wollen, die Leute verschreckt. Ich sag‘ zwar: Okay, – aber dabei ist es das Salz zur Suppe. Das macht es edgy, sowas macht einen Film ja spannend.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: Harry Schnitger

Im aktuellen tip: Die Film-Kritik zu „RubbelDieKatz“

Außerdem: Der tip gibt eine Übersicht über Cross-Dressing-Filme.

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