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Interview mit Sophie Marceau zu ihrem neuen Film „Ein Augenblick Liebe“

Sophie Marceau

Die Karriere von Sophie Marceau lässt sich gut als eine allmähliche Emanzipation begreifen. Sie wurde mit „La Boum – Die Fete“ bekannt, ­einem der großen Hits der 80er-Jahre. 1985 begann eine 17 Jahre dauernde Beziehung zu dem polnischen Regisseur Andrzej Zulawski, der mit­ ­ihr „Meine Nächte sind schöner als deine Tage“ (1989) drehte. ­In Mel Gibsons „Braveheart“ und als Bond-Girl ­Elektra King hatte sie ihre größten internationalen Auftritte.

tip Frau Marceau, „Ein Augenblick Liebe“ fällt ins Genre des französischen Liebesfilms. Welche neuen Akzente setzt diese Geschichte?
Sophie Marceau?Ich weiß nicht, ob sie bestimmt ist, neue Akzente zu setzen. Für mich zeigt sie Projektionen. Der von François Cluzet gespielte Mann braucht jemand, der sein eigenes Leben und die Geschichte mit seiner Frau wiederbelebt, und so trifft er meine Figur. Vielleicht ist sie nur eine Einbildung, vielleicht hat er sie erfunden, aber durch sie erkennt er seine wahren Sehnsüchte. Wir sehen, wie wichtig Träume und Fantasien sind – eben auch in einer Paarbeziehung.

tip Das französische Kino setzt in der Regel auf ausgeprägten Realismus wie zum Beispiel im Liebesdrama „Blau ist eine warme Farbe“. Entspricht das also nicht Ihren Vorlieben?
Sophie Marceau Das ist vielleicht zu hart ausgedrückt. Aber als Künstlerin interpretiere ich Realität – das ist auch, was ich am Kino mag. Kino kann nicht objektiv sein. Ich will einen persön­lichen Blickwinkel sehen, ich will Poesie – eine weitere, höhere Ebene der Darstellung. Ich halte nichts davon, alles möglichst dokumentarisch zu machen. Deshalb mag ich auch keine Sexszenen, die wie im realen Leben aussehen. Abgesehen davon, dass ich zu zurückhaltend bin, mich dafür auszuziehen – das ist nicht mein Job als Schauspielerin. Ich will mich vor der Kamera nicht so verhalten wie im Alltag.

tip Wie sehen denn Ihre Kriterien bei der Rollenwahl aus?
Sophie Marceau Ich habe da keine Strategie. Ich mag es, Drehbücher zu lesen, von denen ich vorher nichts weiß. Wenn ich bei der Lektüre dann keine Fragen stelle, dann mache ich es. Ganz einfach. Offensichtlich hat das jeweilige Projekt zu dem entsprechenden Zeitpunkt eine Bedeutung für mich. Worin die besteht, vermag ich selbst nicht zu analysieren. Da spielen viele, viele Dinge mit hinein.

tip Mit Ihren kreativen Entscheidungen holten Sie sich aber nicht so viele Lorbeeren wie etliche Ihrer französischen Kolleginnen.
Sophie Marceau Das bekümmert mich nicht. Ich bin auch Kritik gewohnt. Wenn du einen bestimmten Bekanntheitsgrad erreicht hast, dann wirst du eher kritisiert als gelobt. Ich hatte nicht mal einen Film, der im Wettbewerb von Cannes lief. Vielleicht, weil keiner davon gut genug war, aber was soll’s? Ich gehe trotzdem aus irgendeinem Anlass über den roten Teppich und spiele das Spiel der langen Kleider und des schönen Schmucks.

tip Ist Ihnen dieses Spiel allein nicht zu oberflächlich?
Sophie Marceau Es ist Spaß, pure Verkleidung. Und das gehört genauso zum Kino dazu. Deshalb mache ich auch Fotoshootings. Da verwandle ich mich mal in eine Barbiepuppe – das bin ja nicht ich, es ist nur eine Rolle, die ich spiele. So etwas ist Teil meines Berufs.

tip Hatten Sie das erwartet, als Sie mit 14 Jahren Ihr Debüt in „La Boum – Die Fete“ gaben?
Sophie Marceau Damals hatte ich gar nichts erwartet. Es fühlte sich einfach natürlich an, am Set zu sein und zu spielen. Ich hatte auch nicht gedacht, dass ich mein Leben als Schauspielerin bestreiten würde. Die Bedeutung dieses Wortes hatte sich mir damals noch gar nicht erschlossen.

tip Wie viele französische Stars blieben Sie Ihrer Heimat treu. Dabei hätte Ihnen nach dem Erfolg von „Brave­heart“ und „James Bond – Die Welt ist nicht genug“ doch sicher Hollywood offen gestanden.
Sophie Marceau Mein Lebensmittelpunkt ist nun einmal Paris. Und ich bin mir nicht sicher, ob Hollywood für deine geistige Gesundheit gut ist. Das habe ich schon damals bei Mel Gibson gemerkt.

tip Was genau haben Sie da erlebt?
Sophie Marceau Beim Dreh von „Braveheart“ war er sehr amüsant, sanft, charmant. Es war großartig. Und als ich ihn ein paar Mona­te später in Los Angeles traf, hatte er sich komplett verwandelt. Er war völlig gestresst und paranoid. Er meinte zu mir: „Hollywood will mich fertigmachen.“ Ganz offensichtlich war das nicht die richtige Umgebung für ihn. Er schien mir zu sensibel, er ist ein intelligenter Künstler; er hat nicht in dieses System gepasst. Deshalb wurde er vielleicht auch ein wenig verrückt. Aber an diesen zweiten Mel Gibson mag ich nicht denken. Ich behalte lieber den ersten in Erinnerung – ohne Hollywood.

Interview: Rüdiger Sturm 

Foto: Roger Dominh/ Alamode Film

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