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Interview mit „Terminator“-Star Christian Bale

Christian Bale in tip Mister Bale, jahrelang kannte man Sie als Spezialisten für radikale Rolle in kleineren Produktionen wie „Der Maschinist“ oder Werner Herzogs „Rescue Dawn“. Nach „The Dark Knight“ spielen Sie nun auch im neuen „Terminator“-Film. Warum sind Sie so scharf auf Blockbuster?
Christian Bale Es ist seltsam, aber in meiner Wahrnehmung macht es überhaupt keinen Unterschied, ob ein Film um mich herum für zwei oder für 200 Millionen Dollar entsteht. Wie jeder normale Junge bin ich zwar ein Fan von großen Action-Spektakeln, aber ich drehe sie nicht wegen der Karriere. Es geht nur um die Story und die Figuren – und ich finde es zum Beispiel sehr interessant, was „T4“ über die Dehumanisierung von Individuen in Zeiten des Krieges sagt. Kämpfer legen sich Rüstungen an, verschmelzen mit den Waffen und werden selbst automatisiert – während die gegnerischen Maschinen zu menscheln beginnen (lacht).

tip Sie hatten angeblich massiven Einfluss auf das Drehbuch.
Bale Ja, ich habe das Angebot während des Drehs zu „The Dark Knight“ bekommen – und sagte sofort ab. Ich hatte ja schon eine Megafilm-Serie auf den Schultern und verehre die „Terminator“-Filme von Jim Cameron zu sehr, um noch eine schwache Fortsetzung folgen zu lassen. Doch McG, der Regisseur, ließ nicht locker und überzeugte mich von seinen Ideen. Meine Figur des John Connor wurde auf mein Bitten hin durch Christopher Nolans Bruder Jonathan komplett umgeschrieben, voller Respekt vor der Mythologie des Stoffes. Ähnlich wie in „Dark Knight“ spiele ich nun einen obsessiven Mann mit eiserner Panzerung vor dem Herzen, einen Suchenden inmitten der Apokalypse. Ich habe keine Ahnung, ob uns die Fans der Serie in dieses neue Kapitel folgen, doch ich hoffe auf den Beginn einer neuen Trilogie, die auch ohne den Gouvernator Bestand hat.

tip Zudem sind Sie diesen Sommer ja auch noch in Michael Manns Gangsterfilm „Public Enemies“ zu sehen.
Bale Diese Show gehört Johnny Depp, ich spiele nur seinen Jäger. Doch es war der Himmel, mit Michael Mann zu arbeiten. 50, 60 Einstellungen pro Szene – ich weiß gar nicht, was die Kollegen immer jammern, da werde ich gerade warm (lacht). Aber ich bin ja auch angeblich leicht masochistisch.

tip Etwa nicht? Für „Der Maschinist“ haben Sie innerhalb eines Jahres so dramatisch an Gewicht verloren, dass man um Ihre Gesundheit fürchten musste.
Bale Ich habe einen Hang zu radikalen Figuren und obsessivem Verhalten – und weiß nur leider manchmal nicht, wann ich aufhören muss. Als ich für „Der Maschinist“ mein übliches Gewicht von rund 90 Kilo um fast die Hälfte reduzierte, stellte sich heraus, dass ich zwischenzeitlich den Choleste­rinwert eines 80-jährigen Mannes besaß. Ob es Folgeschäden gibt, ist noch nicht abzusehen. Ich kann nur beten, dass keine Organe beschädigt wurden, und werde so etwas in Zukunft sicher nicht wieder wagen.

tip Hätten Sie sich das nicht vorher überlegen sollen?
Bale Natürlich, aber ich kam aus einer Phase der Depression, in der ich wochenlang die Wände angestarrt hatte. Warum? Weil vorher einige meiner Filme nicht so gut gelungen waren, wie ich es mir erhofft hatte. Ich habe an der Schauspielerei gezweifelt, und das ist das Schlimmste, was mir passieren kann, weil ich meinen Beruf als persönliche Mission betrachte. Ich will mich aufopfern und Grenzerfahrungen erleben, die das Publikum hoffentlich auch spüren kann. Vielleicht bestrafe ich mich zuweilen auf einem unterbewussten Level selbst dafür, meinen Anforderungen vorher nicht gerecht geworden zu sein. Ironischerweise genieße ich die Dreh­arbeiten dann trotz aller Schmerzen, weil ich zufrieden bin, Leistungsgrenzen zu überschreiten.

tip Obwohl Sie als Waliser für gewöhnlich gepflegtes Englisch sprechen, führen Sie unser Gespräch mit einem starken amerikanischen Akzent. Warum?
Bale Offen gestanden verwirren mich meine Akzente selbst (lacht)! Doch wenn ich einen Amerikaner spiele, behalte ich auch den Akzent in der kompletten Drehzeit bei – ich kann es schlichtweg nicht anders. Bei „Terminator – Die Erlösung“ waren das aber acht Monate, und in dieser Zeit verändert sich die Gesichtsmuskulatur beim Sprechen so sehr, dass ich schon fürchtete, mein britisches Englisch käme nicht mehr zurück. Das war zum Glück unbegründet. Doch es ist schon schizophren, wenn ich manchmal nicht mehr genau weiß, ob ich nun Amerikaner oder Brite bin!

tip Gibt es noch andere Beispiele für Ihre Lust am exzessiven Schauspielern?
Bale (lacht) Wie viel Zeit haben Sie? Als ich „Herrschaft des Feuers“ drehte, habe ich die Kampfszenen so ernst genommen, dass ich dabei Matt­hew McConaughey versehentlich zwei Rippen verletzt habe. Bei „American Psycho“ habe ich dann mein Gebiss befristet mit spitzeren Zähnen überkronen lassen, um der Rolle ein leicht animalisches Profil zu verleihen. Manche nennen das wahnsinnig. Ich halte es für meine Pflicht, all meine Möglichkeiten aus­zuschöpfen.

tip Warum fühlen Sie sich grundsätzlich zu besessenen Figuren hingezogen?
Bale Sie sind einfach interessanter – in der Kunst wie im normalen Leben. Schauen Sie doch nur in die Historie: Wann immer Menschen etwas verändert haben, ob in der Politik oder in der Wissenschaft – immer waren sie von ihren Zielen besessen und hätten sich ohne diese Eigenart nie in die Geschichtsbücher eingetragen.

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 12/09 auf den Seiten 37-38.

Interview: Roland Huschke

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