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Interview mit „The Watchmen“-Regisseur Zack Snyder

Zack SnyderEin Gespräch mit dem 42-jährigen Regisseur über den Gift spuckenden Autor Moore, unpolitisches Filmemachen nach „300“ und die Nachteile von Prominenz im Kino.

tip Mr. Snyder, gestern habe ich mir zur Interviewvorbereitung noch einen kurzen Film angesehen, in dem auch „Watchmen“ vorkommt. Eine „The Simpsons“-Folge von 2007, in der Alan Moore, der Schöpfer der Graphic Novel, eine DVD von „Watchmen Babies in V for Vacation“ signieren soll. Er dreht durch …
Zack Snyder Oh ja. Das ist super, großartig. Alles, was die machen, ist genial. Wir wollten „Watchmen-Babies“-T-Shirts anfertigen lassen, aber irgendwie haben wir das noch nicht geschafft. Kommt vielleicht noch.

tip Moore fertigt den Fan mit einem harschen Kommentar über die Filmindustrie ab. „Da sieht man’s wieder, was diese verdammten Corporations machen. Die nehmen deine Ideen und saugen, saugen sie aus wie die Blutegel, bis sie einem noch das Mark aus den Knochen gesaugt haben.“ Fanden Sie das auch lustig? Sie waren gerade bei der Vorbereitung Ihrer „Watchmen“-Verfilmung für das Warner-Studio.
Snyder Klar fand ich’s lustig. Ich dachte, es ist crazy und cool und großartig – so wie Moore halt ist. Sagt dann nicht jemand, dass er sich wieder beruhigen soll? (lacht)

tip Ja, „Maus“-Zeichner Art Spiegelman ruft ihn zur Ordnung. Haben Sie Moore kontaktiert?
Snyder Nein, er hat darum gebeten, dass man das unterlassen soll.

tip Ist das nicht ein wenig schwierig zu verdauen? Selbst, wenn man weiß, dass Moore sich schon in der Vergangenheit von Adaptionen wie „From Hell“, „The Lea­gue of Extraordinary Gentlemen“ oder „V wie Vendetta“ distanziert hat. Sie investieren all Ihre Energie in ein Projekt und haben die Verantwortung für ein 120-Millionen-Dollar-Investment, und der Schöp­fer der Vorlage hat nur Schmähun­gen für Sie bereit und will nichts davon sehen.
Snyder Das ist schon hart, hart für mich als Moore-Fan, mehr als alles andere. Ich will ja, dass es ihm gefällt. Er hat verlangt, dass wir ihn nicht kontaktieren, nicht über ihn sprechen, und wir folgen dem, weil ich das Gefühl habe, dass wir ihm mindestens das schulden. Wir hatten Dave Gibbons, den Zeichner des Comics, der uns sehr unterstützt hat. Alan gibt übrigens alle Einkünfte aus dem Film an Dave weiter. Aber: Seit der erste Trailer zum Film herausgekommen ist, wurden, glaube ich, so viele Comics verkauft wie in den vergangenen 20 Jahren.

tip Das freut Sie, weil es Moore zugutekommt?
Snyder Absolut. Und all den anderen Leuten, die daran beteiligt sind. Das ist super. Ich sag den Leuten immer: „Lest das Buch.“ Gut, ich sage: „Seht euch den Film an, dann lest das Buch.“ Ich bin da egois­tisch. Auch weil ich glaube, dass der Film ein besseres Erlebnis ist, wenn man das Buch noch nicht gelesen hat.

tip Tatsächlich ist das Buch noch um einiges komplexer als der Film. Sie mussten da einiges redu­zieren und ausklammern.
Snyder Wenn man das Buch nicht gelesen hat, ist der Film schon unglaublich komplex und verrückt. Der ganze Film ist geisteskrank. Wenn man die Vorlage kennt, beginnt man eine Liste abzuhaken. Ist das drin? Und das?

tip Die Selbstreferenzialität macht ja die „Watchmen“-Graphic-Novel so außergewöhnlich. Sie verarbeitet die Genregeschichte der Comics, nimmt sie buchstäblich ernst, reflektiert sie und benutzt zugleich ihre Motive. Die Komplexität muss Ihnen gelegen gekommen sein. Nach Ihrer Adaption von Frank Millers Sparta-Fabel „300“, die mit guten Argumenten als rechtslastig und xenophob kritisiert wurde, sind Sie jetzt auf der sicheren Seite. Die Figuren in „Watchmen“ sind auch scharf rechts, homophob, Kommunistenhasser, schwer neurotisch – aber Moore und Gibbons spielten genau damit, es wird in der Erzählung ständig reflektiert.
Snyder Meine Hoffnung ist, dass die Leute, nachdem sie „Watchmen“ gesehen haben, sagen: „Vielleicht hat George W. Bush ‚300‘ doch nicht bezahlt. Vielleicht hat Zack Snyder doch einfach nur aus ‚300‘ einen Film machen wollen – und es war doch kein Propaganda-Experiment von diesem faschistischen Filmemacher.“ Ich habe einen Film nach einer Frank-Miller-Vorlage gemacht und einen nach einer Graphic Novel von Alan Moore. Politisch könnten die gar nicht weiter auseinanderliegen, aber beide sind in dem, was sie machen, großartig. Ich richte nur einfach nicht über sie, ich bewerte ihre Politik nicht, ich mache nur den Film. Die Ideen gefallen mir.

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 06/09 auf den Seiten 34-36.

Interview: Robert Weixlbaumer

Foto: Mitch Jenkins 

Lesen Sie hier: Die Filmkritik zu „The Watchmen – Die Wächter“

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