Retrospektive

„To Risk Everything To Express It All“

Foto: Arsenal/Institut für Film- und Videokunst e.V.

John Cassavetes nimmt im amerikanischen Kino bis heute eine Sonderstellung ein. In seinen Filmen hat die Spontaneität einen Raum, den sie im klassischen Studiosystem nie haben durfte. Dort war alles auf die präzise Einrichtung und Ausleuchtung von Stars ausgerichtet.
Bei Cassavetes ist alles in Bewegung: die Schauspieler (er arbeitete immer wieder mit denselben: Gena Rowlands, Seymour Cassel, Peter Falk, Ben Gazzara, und er war selbst auch ein großer Darsteller), die Beziehungen, die Emotionen. Die Kamera folgt dabei den Geschichten, die sich – häufig tumulthaft – entwickeln, und nicht umgekehrt.

Mit seinem Debütfilm „Shadows“ („Schatten“, 1958, Foto) bekam ein vielfältiges New York, das zuvor auf Untergrundszenen beschränkt geblieben war, zum ersten Mal eine Gestalt auf der großen Leinwand.
Seine Filme sind immer Ensemblefilme, auch dann, wenn es vor allem um eine bestimmte Frau „unter Einfluss“ geht: „A Woman Under the Influence“ (1974) ist bis heute ein Meilenstein für die amerikanischen Geschlechterverhältnisse, und für eine Kultur, die Gefühle allzu häufig lieber behandeln als verstehen würde.

Wenn das Arsenal nun wieder einmal Gelegenheit bietet, sich mit dem Werk von John Cassavetes vertraut zu machen, dann ist das auch eine Zeitreise in eine Ära, in der sich die Regeln (und die Filmformate) aufzulösen begannen, und in der für einige Momente lang alles möglich schien – und auch eine Neukonzeption des Kinos als intimes Massenmedium. De facto endete aber alles in „Big Trouble“ – so hieß 1986 sein letzter Film.

„To risk everything to express it all“ – John Cassavetes, Fr 27.7.– Fr 31.8., Arsenal

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