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Im Kino: „Easy Money“

Easy Money

Kokainschmuggel in Kohlköpfen ist einer von zahlreichen ungewöhnlichen Einfällen in diesem Kinohit aus Schweden, der auf dem Bestseller „Spür die Angst“ des Stockholmer Rechtsanwalts Jens Lapidus basiert. Auch die Inszenierung ist stilistisch sehr eigenwillig: Unschärfen und Überbelichtungen, wild wechselnde Kameraeinstellungen und abrupte Schnitte ohne fließende Bildanschlüsse bilden einen interessanten Gegenentwurf zu der oft glatt polierten visuellen Ästhetik Hollywoods. Personenvielfalt und Handlungssprünge machen es einem auch nicht immer leicht, dem Geschehen zu folgen.
Die zentrale Figur ist ein geltungssüchtiger Student der Wirtschaftswissenschaften, der von schnellem Reichtum und einem Leben in Saus und Braus träumt. Da er mittellos nicht am Kapitalmarkt spekulieren kann, versucht der geldgeile Geck, durch einen Riesendrogendeal Millionen zu kassieren. Dabei gerät er in einen Strudel von mörderischer Gewalt, Betrug und Verrat, der ihn immer tiefer in die von Ausländern dominierte Unterwelt Stockholms reißt.
Alle Protagonisten sind auf ihre Art einer fanatischen Obsession verfallen in diesem nahezu perfekt besetzten Thriller, der eine Welt von beklemmender Amoral und Habgier zeigt, wo niemand unschuldig ist. Der 1977 in Schweden geborene Regisseur Daniel Espinosa versteht es geschickt, die Einstellung des Zuschauers zu den Hauptfiguren zu manipulieren und Identifikationsversuche zu sabotieren. Bemerkenswerterweise ist es ausgerechnet ein brutaler Killer aus Serbien, der im Umgang mit seiner kleinen Tochter letztendlich am meisten Mitgefühl und Verantwortungsbewusstsein zeigt.
„Easy Money“ ist der erste Teil einer geplanten Krimi-Trilogie nach Buchvorlagen von Jens Lapidus, von dem erst kürzlich wieder ein Roman auf Deutsch erschienen ist: „Mach sie fertig“ bietet erneut einen schonungslosen Blick in menschliche Abgründe, mit einem Drogendealer, einem Ex-Söldner und einem nicht immer legal agierenden Polizisten beim Kampf gegen den tödlichen Absturz.

Text: Ralph Umard

Foto: Senator

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Easy Money“ im Kino in Berlin

Easy Money (Snabba Cash), Schweden/Dänemark/Deutschland 2009; Regie: Daniel Espinosa; Darsteller: Joel Kinnaman (JW),
Matias Padin Varela (Jorge Salinas Barrio), Dragomir Mrsic (Mrado Slovovic); 124 Minuten

Kinostart: 15. September

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