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Isabell Љuba im Gespräch über ihr Guerilla-Filmprojekt

Filmemacherinnen_c_DavidVonBeckerIsabell Љuba, Sie sind heuer mit Skript und Kamera nach Cannes gereist und ließen sich dort von Anne Haug (links) spielen. Sie selbst drehten im Hintergrund.
Ich bekam die Nachricht aus Cannes, dass mein Kurzfilm dort laufen wird. Das war natürlich erst mal toll! Aber im nächsten Moment dachte ich: Wie wird das? Denn man kennt das ja von anderen Festivals: die Eitelkeiten, die Partys, wo viel getrunken wird und es sich nur ums gegenseitige Abschleppen dreht. 

Dieses Szenario wird zur Kulisse Ihres Films, in dem eine junge Regisseurin versucht, sich bestmöglich zu verkaufen…
Ich dachte, diese Gelegenheit will ich unbedingt nutzen, wenn ich schon mal da bin. Anne hat dann also in Cannes meine gesamte Identität angenommen. Sie ist etwa auf die Bühne gegangen für mich. Sie hat alle Interviews wahrgenommen, alle Treffen, alle Partys, Geschäftsgespräche. Insgesamt haben wir 30 Stunden Material gedreht.

Hatten Sie nie Sorge aufzufliegen??
Es war vor allem aufregend, denn oft haben sich die Ebenen absurd vermischt. Beispielsweise bei einem Geschäftstreffen, bei dem es um meinen echten Film ging, den ich in Zukunft machen will. Den hat Anne vor Ort für mich gepitcht, also vorgestellt. Dabei ging es da um eine reale Chance für mich.

Kamen Sie auch auf Ihre Filmidee nach den Protesten gegen die Programmpolitik? Diesmal gab es in Cannes ja nicht eine Frau im Wettbewerb.?
Das kam später hinzu. Wir hatten ursprünglich auch an Szenen gedacht, in denen Anne, also ich, berühmte Regisseurinnen treffen könnte. Dann haben wir die aktuelle Teilnehmerliste gesehen und gedacht: Das ist schon ein Ding! Und so wurde das auch zum Thema.

Auch in Ihrem Kurzfilm „Chica XX Mujer“ über den Schönheitswahn unter Venezuelas Jugendlichen befassen Sie sich damit.?
Richtig, es ist ohnehin mein Thema. Aus diesem Grund haben wir uns auch dazu entschlossen, dass unsere Protagonistin homosexuell ist. Denn mit ihrem chauvinistischen Produzenten kann sie dann ständig aneinanderrasseln, und sie können die Konflikte nicht einfach durch Flirts oder sexuelle An­näherungen auflösen. Sie müssen sich durchkämpfen. Das hat dann was von Woody Allen, mit vielen Retourkutschen und Palaver.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: David von Becker

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