Kino & Stream

Ist das Internet zu doof für echte Filmkritik?

„Auf Blogs kann es verzichten.“ Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, die Internetautorin Ines Walk in der gleichen Zeitung: „Die Bedeutung der Filmkritik am Medium festzumachen wiederholt nur den Aufschrei des Bildungsbürgertums, als zum Kino das Fernsehen kam (…) zur Zeitung das Internet.“ Allein Schnelles Feststellung, dass viele amerikanische Zeitungen mittlerweile mit Hinweis auf das Internet auf eine regelmäßige Filmkritik verzichten, stimmt nachdenklich. Ist die fundierte Filmkritik und mit ihr die klassische Kulturkritik in Gefahr, sind die Filmkritiker die letzten Dinos im Zeitalter des vernetzten Journalismus? Eine Tagung des Verbands der deutschen Filmkritik suchte nach Antworten.

Der Filmkritik ging es lange wie dem Film. Wovon sich Bildungsbürger Anfang des 20. Jahrhunderts noch mit Grausen abwandten, konnte kein Gegenstand einer seriösen Kritik sein. Kino und Kunst schlossen sich aus, da­ran konnten selbst Autoren wie Siegfried Kracauer, Lotte Eisner oder Rudolf Arnheim wenig ändern. Immerhin, manchmal war es Kunst, aber meistens doch Schund – das blieb die landläufige Meinung. In Deutschland änderte sich das erst in den 60er Jahren, als Autoren aus dem Umfeld der Zeitschrift „Filmkritik“ den Neuen Deutschen Film ausriefen. Alles längst Geschichte, und neben den Feuil­letons eines knappen Dutzend von Tages- und Wochenzeitungen sind es nur noch wenige Stadtmagazine und Spezialzeitschriften, die als Printme­dium ernst zu nehmende Filmkritik betreiben.

Doch für große Kinogeschichten fehlt immer öfter der Platz. Bei Debatte, Diskussion und Meinungsaustausch versagen die Printmedien zunehmend. Das war in den 1960er und 70er Jahren anders, als auch durch die geführten Debatten die manchmal fast symbiotische Beziehung zwischen Filmemachern und Kritikern zum Transmissionsriemen des Jungen Deutschen Films wurde. Für solche Debatten wird heute das Internet mit den Möglichkeiten der Verlinkung immer wichtiger, viele Filmemacher sind hier mit Beiträgen präsent. Daraus, wie von Verbandskritikern befürchtet, abzuleiten, Kritik finde zukünftig nur noch im Internet statt, während die Printmedien dem publikumsorientierten Journalis­mus vorbehalten blieben, ist Quatsch. So schnell starben auch die Dinos nicht aus. Das Kino braucht Printmedien und Internet.

Text: Nicolaus Schröder

Zum Weiterlesen Beiträge der Tagung „Im Netz der Möglichkeiten – Filmkritik im Zeitalter des Internet“ finden sich auf www.cargo-film.de, www.newfilmkritik.de, www.vdfk.de (Verband der deutschen Filmkritik)

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