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J.J. Abrams im Gespräch

J.J. Abrams und Steven Spielberg

tip Mr. Abrams, nachdem Sie als Regisseur mit „Mission Impossible“ und „Star Trek“ zwei Serien aus den Sechzigern aufpolierten, haben Sie nun mit „Super 8“ eine Referenz an das Spielberg-Kino der Achtziger gedreht. Sind Sie ein Nostalgiker?
J.?J. Abrams Ich bin definitiv ein Produkt der Popkultur, ich empfinde eine tiefe Liebe für die Geschichten und Helden meiner Jugend. Und es ist kein Geheimnis, dass mich Spielberg mehr geprägt hat als jeder andere Filmemacher. Mein erster Job in der Branche war, im Auftrag seiner Archivare Spielbergs ersten Kurzfilm Bild für Bild zu restaurieren. Aber zu Ihrer Frage: Mit Nostalgie hat das nichts zu tun, eher mit Respekt vor den Wurzeln jüngerer Popkultur. Um dann ein modernes Kapitel hinzuzufügen.

tip In „Super 8“ wird eine Gruppe Jugendlicher in einer heilen amerikanischen Kleinstadt durch eine mysteriöse Kreatur bedroht – man kann gar nicht anders, als sich in die Welt von „E.T.“ oder den „Goonies“ zurückversetzt zu fühlen.
J.?J. Abrams Ich habe die Geschichte auch bewusst in diese Ära gelegt, um ein Lebensgefühl zu evozieren. Es gibt genug Monsterfilme, die böse enden – und ich bin der Erste, der bei der Premiere in der Schlange steht. Aber mir gefällt die Unschuld des amerikanischen Achtziger-Kinos, die vermeintliche Leichtigkeit der Realitätsfluchten. Nichts ist schwerer, als den Zuschauern ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, mit dem sie das Kino verlassen. Bei „Super 8“ hoffe ich schon, dass auch andere die Erinnerung an die Zeit teilen, in der die Story spielt und in der ich selbst aufgewachsen bin. Aber Sie müssen bedenken, dass ein Großteil des Publikums unter 21 sein wird – und die werden den altmodischen Suspense von „Super 8“ vielleicht auch als wohltuend empfinden nach all den Materialschlachten des Sommers.

Super 8tip Spielberg ist nicht nur erklärte Inspiration, sondern auch „Super 8“-Produzent. Wie stark war sein Einfluss letztlich?
J.?J. Abrams Er ist ein Meister darin, mit sehr wenig Input sehr viel zu bewirken. Am Set kam er mich höchstens mal besuchen, aber beim Drehbuch und beim Schnitt war seine Erfahrung Gold wert. Es sind chirurgische Eingriffe, kleine Kürzungen oder Umstellungen – und fast immer helfen seine Vorschläge dem Fluss des Filmes. Seine wahre Stärke als Produzent liegt darin, Regisseuren zu vertrauen und sie zu fördern. Für mich persönlich ehrlich gesagt die beste Filmschule des Planeten.

tip Haben Sie nie die Befürchtung, im Schatten großer Serientitel oder eines Namens wie Spielberg Ihre eigene Identität als Regisseur nicht entfalten zu können?
J.?J. Abrams Überhaupt nicht. Ich habe ganz im Gegenteil das große Glück, für Hollywoods Verhältnisse nahezu autark arbeiten und viele Genres ausprobieren zu können. Mein Name und mein Ego sind unwichtig. Kein Mensch muss erkennen, dass „MI:4“ und „Super 8“ vom selben kreativen Team stammen. Die Filme müssen funktionieren, und ich hoffe, dass mein Name für Überraschungen steht.

tip Sie lassen seit Monaten offen, ob Sie die Fortsetzung von „Star Trek“ auch inszenieren oder nur produzieren. Warum?
J.?J. Abrams Es ist alles eine Frage des Timings. Das Filmstudio braucht für die nächste Sommersaison noch einen großen Film und drängt, dass wir bald loslegen. Alles sieht danach aus, dass ich den Film auch selbst drehen werde. Doch dafür müssen die 3D-Frage und der frühe Starttermin geklärt werden, der eine optimale Produktion meines Erachtens unmöglich macht.

tip Sie hadern mit 3D?
J.?J. Abrams Man sollte das Format nicht zur Glaubensfrage machen, aber natürlich muss ich nüchtern das Für und Wider abwägen. Das Studio und ein Teil des Publikums scheint die neue Form gerade bei fantastischen Stoffen zu erwarten. Ich muss entscheiden, ob die Geschichte durch visuelle Zusatzinformationen unterstützt wird. Auch der Dreh insgesamt würde sich verändern. Letztlich ist die Entscheidung noch nicht getroffen. Ich begrüße die Innovation, aber ich wehre mich gegen den grassierenden 3D-Automatismus.

Interview: Roland Huschke

Lesen Sie das vollständige Interview in tip 17/11 auf den Seiten 32-33.

Lesen Sie hier die Filmkritik: „Super 8“ im Kino in Berlin

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