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Jafar Panahi zu Gefängnis verurteilt

Jafar PanahiDer iranische Filmemacher Jafar Panahi wurde in seiner Heimat zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Des weiteren soll es ihm die nächsten 20 Jahre nicht gestattet sein, seinen Beruf als Filmemacher auszuüben. Zudem ist es ihm verboten, weiterhin Drehbücher zu schreiben, ins Ausland zu reisen oder Interviews zu geben. Das sagte Panahis Anwalt der britischen Tageszeitung „The Guardian“. Er will Berufung gegen das Urteil einlegen.
Panahi, der u. a. 1995 für „Der weiße Ballon“ mit einer Camera d’Or in Cannes, 2000 mit dem Goldenen Löwen für seinen Film „Der Kreis“ und schließlich auf der Berlinale 2006 für „Offside“ mit einem Silbernen Bären prämiert wurde, zählt zu den bedeutendsten und kritischsten iranischen Filmemachern. Vor dem Revolutionsgericht war dem bekennenden Anhänger des Oppositionsführers Hossein Mousavi vorgeworfen worden, er habe versucht, einen regimekritischen Film über die konfliktreiche Präsidentschaftswahl 2009 vorzubereiten.
Panahi war Anfang März des Jahres in seinem Heimatland verhaftet worden, nachdem ihm zuvor die Ausreise aus Iran verweigert worden war und er deshalb nicht als Ehrengast zur Berlinale kommen konnte. Im Anschluss konnte er auch einer Einladung in die Jury des Festival de Cannes nicht nachkommen. Nach einem Hungerstreik war er im Mai zwischenzeitlich gegen Kaution aus der Haft frei gekommen. Erst zu Beginn des Monats hatte Berlinale-Direktor Dieter Kosslick erneut seine Solidarität mit dem 50-Jährigen bekundigt und ihn in die Jury der kommenden Berlinale berufen, um auch ein politisches Zeichen zu setzen.
Die aktuelle Verfolgung politisch aktiver Künstler hat im Iran System. Kurz vor Panahi war bereits dessen Kollege Mohammad Rasoulof ebenfalls zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Panahi und Rasoulof waren erstmals 2009 verhaftet worden, als sie nach den Unruhen nach der umstrittenen Präsidentschaftswahl um die toten Demonstranten getrauert hatten.

Quelle: Blickpunkt:Film

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