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„Jaffa – The Orange\s Clockwork“ im Kino

Jaffa

Kein Gegenstand ist so klein, dass man daran nicht Bezüge zur ganzen Welt knüpfen könnte, die geeigneten Werkzeuge vorausgesetzt. Eyal Sivan liebt die Orange, weil sie nicht nur eine, oder zwei Seiten hat. Sie ist rund, wenn man sie betrachten will, muss man sich bewegen, wie der Regisseur mit seinen dialektischen Denkmanövern. Alles wird zu einer Frage der wechselnden Perspektive. Die Orange ist ein Objekt, das einmal die Utopie des palästinensisch-jüdischen Miteinanders repräsentiert hat, aber in den Bildern, die die Staatsgründung Israels vorwegnehmen und flankieren, entdeckt Sivan die Geschichte einer Enteignung, die in der Ideologie des Zionismus immer angelegt war.  
Die politischen Implikationen der Bilderproduktion untersucht Sivan lange schon, und nicht nur am Beispiel Israels. Filme über die Stasi („Aus Liebe zum Volk“), oder die Kaczynski-Zwillinge („Citizens K.“) stehen in seinem Werk neben monumentalen Bilderwanderungen entlang der unsichtbaren Demarkationslinie der UN-Resolution von 1947 („Route 181“) oder seinem Eichmann-Prozess-Film „Ein Spezialist“.
Sivan operiert auch in „Jaffa – The Orange’s Clockwork“ mit ungebrochener Lust an der Provokation: Er erzählt beiläufig die Geschichte Israels, aber sieht davon ab, die Rolle der arabischen Nachbarn in seiner Perspektive zu repräsentieren, ebenso wenig wie den Holocaust, den er konsequent ausklammert – beides begründet mit tiefster, postzionistischer Überzeugung. Seine vielstimmige Lektüre der ideologischen Bilder des Staates Israel ist dadurch nicht weniger spannend.

Text: Robert Weixlbaumer

tip-Bewertung: Sehenswert


Jaffa – The Orange’s Clockwork
Israel/Deutschland/Frankreich/Belgien 2009;
Regie: Eyal Sivan; 88 Minuten

Lesen Sie hier: Regisseur Eyal Sivan im Interview

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