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„Jahre der Kälte“ im Kino

Jahre der Kälte

Nach dem Tod seines Vaters findet Uli M. Schueppel einen Brief, den dieser an seinen damals noch nicht gezeugten Sohn geschrieben hat. Damals, das war im Arbeitslager Workuta im Norden des Ural, in dem der Vater, 1949 von einem sowjetischen Militärgericht wegen „Diversion und Spionage“ verurteilt, bis 1955 einsaß. Über diese Zeit wurde in der Familie Schueppel nie viel gesprochen. Nun holt den Sohn dieses Versäumnis ein, und er antwortet auf den Brief in Form eines Films: „Jahre der Kälte“ entstand 1994 für „Das kleine Fernsehspiel“ im ZDF und ist eine in ihrem Ansatz lyrische und im Er­gebnis bedrückende Totenklage.
Eine Collage aus Originaltönen – Ausschnitten aus Gedichten des Vaters und dem Drehtagebuch des Sohnes, Passagen aus Interviews mit Weggenossen – und Super-8-Aufnahmen von Gefängnis- und Arbeitslagerruinen, deren düstere Atmosphäre von Blixa Bargelds zurückhaltendem Score sanft unterstrichen wird. Indem er seine persönliche Recherche zum Teil einer umfassenderen Erinnerungsarbeit macht, gelingt es Schueppel nicht nur, den blinden Flecken der eigenen Familiengeschichte Kontur zu verleihen, sondern auch jenen von politischen Linken, die lange Zeit die Opfer des Totalitarismus nicht sehen wollten.

Text: Alexandra Seitz

tip-Bewertung: Sehenswert

Jahre der Kälte, Deutschland 1994; Regie: Uli M. Schueppel; 89 Minuten; FSK: k.A.

Kinostart: 3. Februar

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