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Jakob Lass über seinen Film „Love Steaks“

Jakob-LassDein Film „Love Steaks“ trägt eine programmatische Vorgehensweise in sich. Ihr nennt sie Fogma. Um was genau geht es da?
Fogma ist der Überbegriff für unsere Arbeitsweise. Wir haben in den Vorbereitungen zum Film viel darüber gesprochen, wie wir an ihn herangehen wollen und wie wir die Arbeitsweise gegenüber meinem letzten Film „Frontalwatte“ verfeinern können. In der Freiheit, mit der wir spielen, wollten wir uns ein Spielfeld setzen, auf dem wir arbeiten. In der Improvisation ist es wichtig, sich zu begrenzen und sich Regeln auf zu erlegen.

Es geht um Hedonismus und nicht wie bei „Dogma 95“ um etwas Asketisches und Quasireligiöses …
Hedonismus ist etwas weit gegriffen. Richtig ist, wir wollen Spaß. Aber noch mehr wollen wir Flow, also einen schnellen, reaktiven Zustand, bei dem es eine hohe Spannung gibt. Es geht darum, in der Arbeit am Film Impulse, Gedanken und Ideen mit einer gewissen Leichtigkeit zeitnah um zu setzen. Das ist die große Chance des improvisierten Arbeitens.

Also Anspannung statt Überspannung?
Genau. Es geht um die Balance zwischen Über- und Unterforderung. Man sollte es sich nicht zu einfach machen, sich aber auch nicht kaputt spielen, wie es leider an vielen Filmsets üblich ist. Wir drehen nicht 18 Stunden am Tag. Irgendwann ist man da einfach nicht mehr kreativ.

Du spricht oft im Wir. Inwieweit ist „Love Steaks“ ein Gemeinschaftsprojekt?
Beim Film reicht es nicht, dass nur einer gut ist. So entstehen keine guten Filme. Wir arbeiten als Gruppe. Die Verantwortung für einzelne Bereiche ist trotzdem essentiell.

LOVE_STEAKSIn einer Zusammenarbeit sind Reibungspunkte wichtig für den kreativen Prozess. Wie vermeidet ihr eine „Feel-Good-Situation“, in der jeder irgendwann seiner Wege geht?
Wir haben viel Zeit damit verbracht, Entscheidungen abzuwägen  – und diese dann gemeinsam getroffen. Konsens kostet viel Zeit und Energie. Aber es geht eben nicht nur darum. Spaß gehört ebenso dazu. Zusammenarbeit bedeutet nicht Harmonisierung sondern Intensivierung.

Verlangt das nicht ziemlich viel Selbstbewusstsein?
Gerade durch die Gruppenarbeit wächst ja das Selbstbewusstsein. Man lernt sich kennen, wird durch die Gruppe gespiegelt und erhält durch sie Unterstützung. Wenn einer zweifelt, fängt ihn ein anderer auf.

Gab es Momente, in denen am Set nichts passiert ist?
Natürlich sitzt man mal herum und langweilt sich. Aber manchmal passiert dabei auch etwas.  Sich diese Lockerheit leisten zu können, ist toll.

Deine Protagonistin Lara ist Köchin, sie beschäftigt sich also viel mit Fleisch. Clemens ist Masseur und beschäftigt sich dementsprechend häufig mit Muskelpartien. Man kann sagen, Fleisch verbindet die beiden. Die Beziehung der beiden funktioniert allerdings weitestgehend nicht über physische Anziehung.
(lacht) Ja, beide arbeiten an unterschiedlichen Enden eines hotelinternen Kreislaufes: Die Speckröllchen, die sie eingefüttert hat, massiert er weg. Nach der Massage gehen die Leute dann wieder essen. 

Dann mal weg von der Physiognomie …
Ich finde die Zwischenräume sehr spannend, die in der Beziehung von Lara und Clemens nicht endgültig geklärt werden. Die Kämpfe die beiden ausfechten, die Spiele die sie spielen, das ist was mich interessiert hat.


Das Hotel stellt eine Begrenzung dar, aber es liegt am Meer…
… dieser Gegensatz ist für die Beziehung der beiden sehr wichtig. Sie werden ja sehr eng aneinander gedrückt. Zugleich existiert außer der Weite um sie herum fast nichts.

War Dir klar, dass der Spielraum Eurer Charaktere gleichzeitig auch der Spielbereich Deines Teams ist?
Das Hotel hat tatsächlich eine gewisse Freiheit mit sich gebracht, denn wir hatten einen festen Rahmen, der zwar alles begrenzt hat, den wir aber auch ausfüllen konnten.

Ihr habt im laufenden Betrieb des Hotels gearbeitet?
Ja. Wir haben immer einen Tag im Voraus angekündigt, wo wir drehen wollten. Wenn das nicht ging, haben wir umorganisiert. Da sind uns die Angestellten sehr offen begegnet.

Und ihr habt dort gewohnt …
Ja. Es fühlt sich schon etwas komisch an, im Kapuzenpulli durchs Edelhotel zu schlurfen.

Das passt ebenfalls zum Prinzip. „Love Steaks“ ist mit unverhältnismäßig wenig finanziellen Mittel entstanden.
Stimmt, wir haben für den Film keine Förderung beantragt. Das meiste Geld kam von der HFF-Potsdam, an der ich studiere. Unser Studentenstatus war ein Vorteil.

Du hast, bevor Du dein Studium an der HFF-Potsdam begonnen hast, an der Filmarche Berlin studiert. Die Arche lebt hauptsächlich vom Engagement ihrer Beteiligten, die HFF ist eine staatliche Institution. Du kennst demnach zwei Seiten des Studierens …
Ja. Aber ich wurde in erster Instanz an beiden abgelehnt. In der Arche konnte ich durch die Zwangsläufigkeit der Selbstorganisation viel lernen, gerade in Bezug darauf, wie viel man selber wirklich hinbekommt. Auch über Gruppendynamik und wie selbstverantwortliche Inhalte in der Gruppe entstehen, habe ich viel gelernt. An der HFF läuft das anders, dort ist man viel stärker ein Studiums-Konsument, der sich das Mitspracherecht erkämpfen muss. Mitgestalten geht natürlich, aber es ist nicht grundlegend im Lehrplan vorgesehen. In Potsdam treffen dafür sehr viele Studenten aus unterschiedlichen Bereichen aufeinander. Man lernt sehr viele Fachbereiche kennen und hat sehr viel Zeit, Filme und Projekte zu machen. Das ist ein großes Geschenk.

Interview: Martin Daßinnies

„Love Steaks“ Kinostart 27. März 2014

Gewinnspiel:

Wir verlosen einen Gutschein für 1 Übernachtung (2 Pers.) im Grand Hotel & SPA Kurhaus Ahrenshoop, dem Drehort von „Love Steaks“, inkl. Frühstück und „Love Steaks“-Menü am Abend für zwei Personen. Dazu müssen sie nur diese Frage beantworten:
Welchem Beruf geht Clemens nach? Die Antwort mit dem Betreff „Grand Hotel & SPA Kurhaus Ahrenshoop“ senden Sie an [email protected] Einsendeschluss ist der 5. April 2014. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Infos zum Grand Hotel & SPA Kurhaus Ahrenshoop unter www.kurhaus-ahrenshoop.de

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