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James Bond: „Skyfall“ im Kino in Berlin

Tag 7
Casino Royale (2006)
Ein Quantum Trost (2008)
Skyfall (2012)

Skyfall

Mit dem Charme eines Nachtclub-Türstehers bringt Daniel Craig zuwege, woran seit 2002 kaum noch jemand geglaubt hat: Er stellt die Figur Bond auf Null, erfindet sie tatsächlich neu. Craig ist keiner der hübschen Bonds, auch kein Unantastbarer, der jeden Kugelhagel ohne Schramme überstünde, im Gegenteil: Er ist der Schmerzensmann der Serie; er verschiebt die Figur von der Upper-Class in die Unterschicht. „Casino Royale“ ist eine Art Neustart des Stoffs: zurück zum Spionage-Debütanten Bond, mit leicht erhöhter Ernsthaftigkeit. Der Hintergrund der Erzählung wird vom Kalten Krieg kurzerhand in die Ära des globalisierten Terrors verlegt. Natürlich ist auch „Casino Royale“ nur wenig mehr als ein konservativer, immerhin mitreißend gestalteter Actionfilm, in dessen Zentrum allerdings ein Strategie- und Nervenspiel, eine Pokerpartie steht – und eben nicht die bloße Explosionslust und Zentrifugalkraftmeierei der Post-Seventies-Bondiaden.
Geistreicher wird 007 nicht mehr. Bonds Dolce Vita findet weiterhin in Luxushotels und Villen mit Seeblick statt, mit Martini, Kaviar und Aston Martin. Regisseur Marc Forster bringt „Quantum of Solace“ in schlanken 106 Minuten über die Bühne. Der Action-Funktionalismus des zweiten Craig-Anlaufs kann mit dem ersten nicht mithalten.
Vier Jahre später folgt nun also Craigs dritter Antritt, lange verzögert wegen des Konkurses der MGM-Studios. Der 15-minütige Prolog in „Skyfall“, der eine Verfolgungsjagd durch Istanbul orchestriert, ist stärker als alles, was in den beiden Stunden danach noch kommt: Chaos auf dem Marktplatz, auf Motorrädern über die alten Hausdächer und ein Faustkampf auf dem Dach eines fahrenden Zugs. Die Zerstörungswut steckt an: Was ist schon das bisschen Weltkulturerbe gegen einen geheimdienstlichen Auftrag?
Der Rückbezug auf das halbe Jahrhundert Bond-Historie wird in „Skyfall“ bis zum Exzess betrieben – von Adeles shirleybasseyeskem Vortrag des Titellieds bis zu den Casino-Szenen und den Verweisen auf die fiktive und reale Biografie Sean Connerys. Das (leider sentimentale) Finale findet im alten Familienhaus Bonds statt – es steht in Schottland. Das Anwesen heißt „Skyfall“.
Mit dem Ableben Bonds kokettiert die Serie schon seit ihren frühen Jahren. In „Diamantenfieber“ drohte Connery, gefangen in einem Sarg, lebendig eingeäschert zu werden. So beginnt auch „Skyfall“ mit dem scheinbaren Tod des Agenten, genau wie „You Only Live Twice“. Natürlich ist er nicht tot, nur depressiv, daueralkoholisiert und weit weg von der westlichen Zivilisation – bis ihn sein Pflichtbewusstsein nach London zurückbringt. Bond meint, der geeignete Mann zu sein, eine von Terroristen gestohlene Festplatte zurückzuholen, die streng geheime Listen von Nato-Undercover-Agenten enthält. Aber der Held von einst ist angeschlagen, körperlich wie psychisch.
Sam Mendes („American Beauty“) inszeniert das alles halbwegs kompetent, aber er arbeitet mit einem Drehbuch, das mehr Lücken aufweist, als die Vernunft erlaubt. Da hilft nur blondes Gift: Es kommt in Gestalt des heiteren Javier Bardem. Gäbe es diese Figur nicht, „Skyfall“ wäre eine Niederlage. Die Szenen zwischen Craig und seinem dekadenten Widersacher sind, vor allem anfangs, fabelhaft; auch sie sind alles andere als originell, aber entwaffnend gespielt. Was sein Hobby sei, fragt der zwischen Freundlichkeit, Desillusionierung und Sadismus schillernde Javier Bardem den gefesselten Bond, und der sagt nur kalt: „Resurrection“. Wiederauferstehung: Das ist präzise der Auftrag an seine Figur, aber nicht erst hier. Die Bond-Filme perfektionieren die Kunst, eine seit Jahrzehnten tote Filmfigur alle paar Jahre wieder ins Leben zurückzuholen.

Text: Stefan Grissemann

Foto: 2012 Sony Pictures Releasing GmbH

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „Skyfall“ im Kino in Berlin

Skyfall, USA 2012; Regie: Sam Mendes; Darsteller: Daniel Craig (James Bond), Javier Bardem (Silva), Ralph Fiennes (Gareth Mallory); 145 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 1. November

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