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Jannis Neuwöhner im Porträt

Jannis Niewöhner

„Auf einer Schauspielschule bin ich nie gewesen, alles Learning by Doing“, sagt Jannis Niewöhner und lacht in seinen Cappuccino. „Die Schauspielerei hat mich aber von klein auf begleitet.“ Schon als Kind sah er seinen Vater auf der Bühne eines Kinder- und Jugendtheaters, von dort aus wurde er im Alter von zehn Jahren zu seinem ersten Casting vermittelt. Gewissermaßen ist der 22-jährige Krefelder, der seit vier Jahren in Berlin lebt, in die Fußstapfen seines Vaters getreten, richten sich seine bisherigen Filme doch vornehmlich an eine junge Klientel.
Seine Karriere begann mit „Der Schatz der weißen Falken“ (2005) und „TKKG“ (2006). Es folgten die Jugendfilme „Sommer“ (2008) und „Gangs“ (2009); beim Dreh zu Letzterem lernte er auch seine Kollegin Emilia Schüle kennen, mit der er seither liiert ist. In jüngerer Zeit war er dann in den ersten beiden Teilen der Fantasy-Schmonzette „Liebe geht durch alle Zeiten“ („Rubinrot“, 2013, „Saphirblau“, 2014) zu sehen, einem deutschen „Twilight“ – nur ohne Vampire.
Und doch täte man Jannis Niewöhner Unrecht, würde man ihn auf die Rolle des hübschen und kantenlosen Teenie-Stars reduzieren. Heute tut er einiges dafür, um sich aus dem angewachsenen Klischee herauszuspielen. In dem Drama „Vier Könige“, das vermutlich Endes dieses Jahres in den deutschen Kinos anläuft, spielt er einen Jugendlichen, der sein Dasein in einer geschlossenen Anstalt fristet. Es seien die unruhigen Charaktere, die ihm besonders imponierten – solche, die von Darstellern wie Frederick Lau und August Diehl verkörpert würden. Gerne arbeiten würde er mal mit dem Regisseur Sebastian Schipper.
„Damals hat mich das schon gestört“, sagt Niewöhner, „dass die Rollenangebote nach ‚Gangs‘ und ‚Freche Mädchen 2‘ immer in dieselbe Richtung gingen. Wobei ich gleichzeitig sagen muss, dass ich mir überhaupt nicht zu schade dafür bin, in einem guten Kinderfilm zu spielen.“ Im Mai erscheint denn auch „Ostwind 2“, ein klassisches Pferdemärchen, in dem er die Rolle eines Einsiedlers verkörpert.
Doch wie es aussieht, wird er ohnehin noch Gelegenheit haben, sich endgültig von der Jugendrolle zu emanzipieren. Auf der diesjährigen Berlinale wurde Niewöhner als einziger Deutscher unter zehn europäischen Nachwuchsdarstellern zum Europäischen Shooting Star gekürt. In der Nachfolge von Daniel Brühl und Nina Hoss befindet er sich damit in guter Gesellschaft.

Text: Christoph David Piorkowski

Foto: Harry Schnitger / tip

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