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„Jaurиs“ im Kino

Jaurиs

So kann man eine große Liebesgeschichte also auch erzählen: in ruhigen Worten, zu den Stichworten einer guten Freundin, aus einem dunklen Raum, in dem jemand auf Bilder blickt, die nicht den Geliebten zeigen, sondern das, was von seiner Wohnung aus zu sehen war. Ein „kleines Theater“ rund um die Pariser U-Bahn-Station Jaurиs, nach der Vincent Dieutre seinen Film benannt hat. Simon hieß der Mann, mit dem er eine intensive Beziehung hatte, die allerdings immer an eine bestimmte Grenze stieß. Denn Simon hatte auch noch Familie, er trennte strikt zwischen den Welten, sodass Vincent Dieutre immer nur Gast in dieser Wohnung war, aus der er die vorbeifahrenden U-Bahnen filmte, einen Künstler gegenüber, der mit Neonröhren hantierte, vor allem aber die afghanischen Flüchtlinge, die sich in den Winkeln der U-Bahn-Station und unter einer Brücke ein Notlager errichtet hatten. Subtil führt Dieutre in seinem faszinierend einfachen und dabei doch abgründig vielschichtigen Dokumentarfilm seine persönliche Geschichte mit einer politischen und mit dem Beruf und dem Engagement von Simon zusammen. So wie an der Station Jaurиs vieles zusammenläuft, ist auch der Film „Jaurиs“ ein Kreuzungspunkt, zugleich eine Elegie – auf eine große Liebe und auf eine einst große Nation.

Text: Bert Rebhandl

Foto: Arsenal – Institut für Film und Videokunst

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Jaurиs“ im Kino in Berlin

Jaurиs, Frankreich 2012; Regie: Vincent Dieutre; 83 Minuten; FSK k.?A.

Kinostart: 8. August 2013

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