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Jeff Bridges im Interview

Jeff Bridgestip Am anderen Ende des stilistischen Spek­trums in Ihrem aktuellen Schaffen steht mit „Tron Legacy“ ein kühl computergenerierter Film – und zugleich eine der raren Fortsetzungen in Ihrer Karriere.
Jeff Bridges Wissen Sie, ich mag Fortsetzungen — so lange nur genug Zeit vergeht, um einen Charakter mit Gewinn erneut zu besuchen. Nach „The Last Picture Show“ und „Texas­ville“ hoffe ich zum Beispiel sehr, noch eines der weiteren Bücher von Larry McMurtry anzugehen. Gute Figuren bleiben haften, sie werden wie alte Freunde, mit denen man zu lange nicht gesprochen hat, bis sie einem plötzlich abends beim Rumzappen begegnen.

tip Wie beurteilen Sie die technische Entwicklung in der Branche, durch die zunehmend auch Schauspieler zur Datenmasse für die Nachbearbeitung durch Programmierer werden?
Jeff Bridges Ich bin gegenüber Neuerungen immer aufgeschlossen und erinnere mich noch gut an den Wirbel, den das „Tron“-Original verursachte. Damals waren computergenerierte Spezialeffekte so bahnbrechend, dass sie bei den Oscars in der Trickkategorie als Schummelei abgelehnt wurden. Mann, das ist gerade 30 Jahre her, wir kannten weder Mobiltelefone noch das Internet – und heute leben wir alle schon halb in der künstlichen „Tron“-Welt.

tip Schauspielerisch mussten Sie sich nicht umstellen?
Jeff Bridges Natürlich — das war Reiz und Krux des Projekts. Die meiste Drehzeit verbrachte ich vor grünen Leinwänden, trug einen weißen Bodysuit und dazu einen Helm mit Kameras auf dem Kopf. Ich brauchte ein Weilchen, um mich an die bizarren Umstände zu gewöhnen. Es war so, als käme man zum Walzer und soll plötzlich Cha-Cha-Cha tanzen (lacht). Doch nur weil ich Kostüme oder Make-up gewöhnt bin, heißt das nicht, dass die neuen Möglichkeiten schlechter sind. Wir alle lernen noch, mit der Technologie umzugehen, und im Grunde ist das auch die Idee hinter „Tron Legacy“: Bei aller vernünftigen Begeisterung für technischen Fortschritt müssen wir verdammt aufpassen, dass unser Leben reichhaltiger und nicht ausgehöhlter wird. Wie oft wollte ich selbst nur kurz ­E-Mails lesen und saß vier Stunden später noch immer fasziniert vor der Kiste. Die Zeit gibt dir keiner wieder, mein Freund.

Jeff Bridgestip Steven Lisberger, der Regisseur des ersten „Tron“, versteht beide Filme als Warnung vor Technologie. Aber ist es nicht sehr ironisch, so eine Warnung mit einem Maximum an Technik zu erstellen?
Jeff Bridges Was wäre die Alternative? Es zu lassen? Die Geschichte als Zweipersonenstück erzählen? Ich war noch nie ein Freund von Botschaften im Kino. Und das Faszinierende bei einem Projekt wie „Tron: Legacy“ ist für mich auch nicht das Ergebnis, sondern der Weg dorthin. Jeder von uns musste sich ursprünglich auf eine Vision einlassen, von der kein Mensch wusste, ob sie zu realisieren sei. Das ist Experimentalkino auf höchster Ebene (lacht). Und wann immer ich mich von einem Film noch überraschen lassen kann, folge ich in der Regel meiner Neugier.

tip Wie fühlten Sie sich, als Sie zum ersten Mal ihr jüngeres Selbst auf der Leinwand sahen? Regisseur Kosinski hat es nach der Vorlage Ihres Auftritts in „Against all Odds“ aus dem Jahr 1984 modelliert, weil Sie damals als echter Frauenschwarm galten.
Jeff Bridges (lacht) Hat er das gesagt? Nun, dann darf ich mich wohl nicht beschweren. Es fühlte sich nett an, mal wieder jung zu sein, auch wenn wir beim Spielen manchmal ein Double nehmen mussten, weil sich mein alter Körper nicht mehr geschmeidig genug bewegte. Was mein junges Gesicht angeht, überließ ich das Absegnen der Probeszenen übrigens lieber meiner Frau — und sie war happy, also kann die Verjüngung so übel nicht geworden sein!

Interview: Roland Huschke

Foto oben: Greg Wiliams (Disney)

Foto unten: Todd Wawrychuk

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