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„Jerichow“ im Kino in Berlin

Bleibt ein Billigjob, bis er einem angetrunkenen Autofahrer aus der Klemme hilft und auf dessen lukrativeres Arbeitsangebot eingeht. Ali (Hilmi Sözer) betreibt mit Laura (Nina Hoss) eine Imbissbudenkette in den ost-elbischen Gewerbezonen um Jerichow.
Warennachschub, Lieferfahrten, Abkassieren bestimmen das Leben dieser neuen Geschäftsleute – eine verstockte Routine, hinter der langsam unterdrückte Leidenschaften hervortreten. Aus dieser Kammerspielkonstellation entsteht ein Thriller, der die Zumutungen der Arbeitswelt und die Ödnis deutscher Landschaften ebenso ernst nimmt wie die Verzweiflung und Niedertracht seiner einsamen Charaktere. Laura ist finanziell an Ali gebunden, Thomas will sie für sich, Ali miss­traut seiner gekauften Liebes- und Freundschaftsbeziehung zu beiden. Ein Mord soll die Befreiung aus dem Treibhaus der Gefühle ermöglichen, doch damit bleibt jede Form von Tröstung aus diesem Anti-Heimatfilm ausgeschlossen.
„Jerichow“ ist eine kühle Variation von James M. Cains düsterem Krimi „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, den auch Luchino Visconti („Ossessione“) und Bob Rafelson (mit Jack Nicholson und Jessica Lange) auf die Leinwand gebracht haben. Damit setzt Christian Petzold seine Reihe beunruhigender Filme fort, in denen er, geschult an amerikanischen B-Movies und dem neorealistischen Kino, von Geldverhältnissen und Gemeinschaftsverlust erzählt und die scheiternden Protagonisten des Post-Wirtschaftswunders und der Nachwendezeit porträtiert.

Text: Claudia Lenssen

Foto: Christian Schulz

Lesen Sie hier: Ein Interview mit „Jericho“-Regisseur Christian Petzold.

Sehenswert

Jerichow, Deutschland 2008; Regie: Christian Petzold; Darsteller: Benno Fürmann (Thomas), Hilmi Sözer (Ali), Nina Hoss (Laura); Farbe, 92 Minuten

Kinostart: 8. Januar 2009

Lesen Sie hier: Ein Porträt über Benno Fürmann.

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