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„Jessabelle – Die Vorhersehung“ von Kevin Greutert

Jessabelle

Die Vorstellung allein ist im Grunde schon Horror genug: Man stelle sich vor, man sei gerade aus der eigenen Wohnung ausgezogen, um zu seinem Freund zu ziehen und auf dem Weg in die neue gemeinsame Bleibe, kommt es zu einem Unfall. Als Jessabelle aus dem Koma aufwacht, muss sie nicht nur die Nachricht vom Tod des Freundes verarbeiten, sondern auch die Tatsache, dass sie selbst aufgrund ihrer Verletzungen nun auf längere Zeit auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird.
Schon früh nach diesem Einstieg bekommt man einen Eindruck, in welche Richtung Regisseur Greutert seine Zuschauer mitnehmen möchte. Die eigene Wohnung gerade aufgegeben, die als gemeinsame Bleibe geplante Wohnung zu teuer, bleibt der jungen Frau im Rollstuhl nur das Haus ihres Vaters, zu dem sie seit vielen Jahren keinen Kontakt hatte und der sich schon in den ersten Einstellungen als wortkarger Griesgram herausstellt. Zudem steht das Haus irgendwo in den Sümpfen Louisianas und birgt allein schon mit seinen Treppen viele unerschliessbare Geheimnisse für einen behinderten Menschen. Als Jessabelle unter ihrem Bett dann auch noch alte Videokassetten findet, auf denen ihr ihre früh verstorbene Mutter die Zukunft mit Hilfe von Tarotkarten legt, kann der Horror ja losgehen.
Und dies geschieht zunächst auch auf zwar schon oft erprobte, aber auch immer wieder wirksame Art und Weise. Seltsame Geräusche, unerklärliche Schatten und eine offensichtlich nach Rache lüsterne Gestalt stellen die Nackenhaare das ein oder andere Mal senkrecht auf.
Leider verliert der Film nach den ersten Schockeffekten den roten Faden des Horrors und begibt sich auf einen seltsamen Weg ins Mysteriöse. Voodoo-Kult darf da natürlich nicht fehlen, wenn man im Südosten der USA unterwegs ist. Doch die pure Behauptung seltsamer Geschehnisse erzeugt eben leider nur selten echte Spannung. Und so tröpfelt der Film nach und nach einem Ende entgegen, das dann zwar letztlich doch wieder eine durchaus mögliche Lösung parat hält, die ohne jede Übersinnlichkeit auskommt – umso mehr fragt man sich dann aber: Warum dann dieser Umweg durch Abwegige?

Text: Martin Zeising

Jessabelle – Die Vorhersehung, USA 2014, Regie: Kevin Greutert; Darsteller: Sarah Snook (Jessabelle), Joelle Carter (Kate), Mark Webber (Preston Sanders), David Andrews (Leon Laurent); 90 Minuten, Deutsch/Englisch, optionale UT: Deutsch. Extras: Audiokommentar, Entfallene Szenen, Interviews, Outtakes, Verlängertes Ende, Kinotrailer. FSK ab 16 Jahren. Erschienen bei Koch Media.

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