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Jetzt im Kino: „Contact High“

harryundschorschi_onlineJohann wird high, ohne selbst psychedelische Drogen genommen zu haben, durch bloßen Kontakt zu Max, wenn der auf einem Trip ist. Aber in „Contact High“ ist es letztlich egal, woher der Trip kommt und wie er entsteht: Hauptsache, er entfaltet seine Wirkung, wenn möglich auch über das Individuum hinaus. Dementsprechend ist in Michael Glawoggers Drogenkomödie die Wahrnehmung intensiver, die Farben sind bunter, und das Personal, das bereits aus Glawoggers Sex-Porno-Farce „Nacktschnecken“ be­kannt ist, spielt ein bisschen mehr verrückt.

Die beiden Ex-Studenten Max (Michael Ostrowski) und Johann (Raimund Wallisch), die mittlerweile in Wien einen Würstlstand betreiben, bekommen den Auftrag, als Kuriere eine mysteriöse Tasche aus Lodz zu holen. An ihre Fersen heftet sich Detlev Buck als misstrauische Autohändlertucke Harry, der selbst wiederum den grandiosen Georg Friedrich in der Rolle des vertrottelten Klein­gangsters Schorsch im Schlepptau hat. Friedrich trägt hier strohblondes Langhaar und ist mit seiner unberechenbaren Null-auf-Hundert-Hysterie auf unfassbar ko­mische Weise der Durchgeknallteste unter all den Durchgeknallten.

maxundjohannAuch wenn Glawogger, der bei seinen Projekten vielseitig zwischen Doku und Fiktion pendelt, seine filmische Entspannungsübung von Anfang an immer wieder mit visuellen Psychedelikwölkchen anreichert, gibt sie nur langsam die Bodenhaftung auf. Zunächst stürzt er seine Jäger der begehrten Tasche in recht konventionell-chaotische Verwechslungsverwicklungen, bevor sie doch mehr und mehr abhebt: Als Mittelstück in Glawoggers „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“-Trilogie macht der Film zunehmend den Eindruck, als hätte sich der Regisseur zum Drehbuchschreiben mit Bewusstseinserweiterungshilfen in eine schäbige Absteige in Lodz zurückgezogen. Mit dabei waren, scheint’s: ein paar alte Videos von Tarantino und Terry Gilliam und Musikkassetten mit Songs von Devendra Banhart und Captain Beef­heart.

Am schönsten wird „Contact High“, wenn sich die Tasche schließlich öffnet und die Handlung komplett auflöst: Der Film hebt vollends ab zur Visualisierung innerer Rauschzustände. Mit knallbunter Trippigkeit ignoriert er dabei jede Logik und stellt Zeit und Raum auf den Kopf. Oben ist unten, unten oben, oder doch nicht? Die polnischen Polizisten sind Schweine. Mosaikmöwen fliegen. Und Schorschi und Harry laufen auf einer Hühnerfarm Amok, bevor sie sich im Stall streichelnd in den Armen liegen. Spät kommt es, aber dann ist es plötzlich doch noch da: das kinokollektive Blick-Contact-High.

Text: Sascha Rettig

tip-Bewertung: Sehenswert

Contact High Österreich/Deutschland 2009; Regie: Michael Glawogger; Darsteller: Michael Ostrowski (Max), Raimund Wallisch (Johann),
Georg Fried­rich (Schorsch); Farbe, 95 Minuten; Kinostart: 18. Juni

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