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Jetzt im Kino: Drag Me to Hell

dragmetohell1982 hatte er mit seinem wilden, völlig unabhängig produzierten Erstlingswerk „The Evil Dead“ Horrorfans auf der ganzen Welt Freudentränen in die Augen getrieben. Im übersensiblen Deutschland entwickelte sich der „Tanz der Teufel“ (so der hiesige Verleihtitel) schnell zu einer Index-Granate, um deren künstlerische Relevanz und Freigabe hartnäckig vor Gericht gestritten wurde.

Mit „Drag Me to Hell“ kehrt Raimi nun mit überraschender Heftigkeit zu seinen Wurzeln zurück. Der Plot, den er gemeinsam mit seinem Bruder Ivan ausgeheckt hat, wirkt auf den ersten Blick etwas altmodisch, aber „Drag Me to Hell“ ist zumindest kein Remake oder Sequel. Und das ist in diesem sich ständig wiederkäuenden Genre schon eine Seltenheit. Die eigentlich so liebe und knuffelige Bankangestellte Christine (Alison Lohman) hofft auf eine Beförderung und schlägt in ihrem Übereifer der alten Mrs. Gamush (Lorna Raver) den Aufschub für die Rückzahlung eines Kredits aus. Weil die schmuddelige alte Dame deshalb aus ihrem Haus geworfen wird, legt sie, tatsächlich Gift und Galle spuckend, einen bösen Fluch auf die arme Christine. Die wird fortan von einem ziegenbockartigen Dämon verfolgt, der sie in die Hölle zerren will.

dragmetohellMit einem unverbrauchten und enthusiastischen Ensemble setzt Sam Raimi genau da an, wo er Anfang der 90er mit „Evil Dead 3 – Army of Darkness“ aufgehört hatte. In einer wilden Geisterach­terbahnfahrt aus knalligen Schock­momenten, schleimigen Ekeleffekten und irrwitzigen Slapstick-Einlagen wird man 99 Minuten lang kräftig durchgeschüttelt. Dabei verzichtet Raimi auf bitteren Zynismus und plakative Härte, die seit den Folterexzessen von „Saw“ und „Hostel“ zum guten Ton im Horrorfilm gehören. Und deshalb macht „Drag Me to Hell“ einfach verdammt viel Spaß. Bevor Raimi 2011 mit „Spider-Man 4“ in 3D die Kassen der Multiplexe klingeln lässt, wird er im nächsten Jahr erstmal mit seinem angekündigten Remake von „The Evil Dead“ beweisen, wie ernst es ihm mit der Rückkehr zu seinen Horrorfilmwurzeln wirklich ist.

Text: Jörg Buttgereit

tip-Bewertung: Sehenswert

Drag Me to Hell USA 2009; Regie: Sam Raimi; Darsteller: Alison Lohman (Christine), Justin Long (Clay), David Paymer (Mr. Jacks);
Farbe, 99 Minuten; Kinostart: 11. Juni

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