Kino & Stream

Jetzt im Kino: „Lass uns\n Wunder sein“

lass-uns-freunde… und dessen noch immer vorhandenes Vermarktungspotenzial. Der Frage, was die Faszination des einstigen Helden der links-alternativen Szene ausmacht, steht Paul allerdings eher hilflos gegenüber: Das zusammengetragene Ma­terial (Interviews mit ehemaligen Weggefährten, überflüssige Statements deutscher Rockgrößen und langwierige Off-Kommentare des Regisseurs) wirkt seltsam disparat und desorganisiert. Und obwohl der Film vor allem die Geschichte der Scherben und ihrer Landkommune in Schleswig-Holstein erzählt, wird der musikalische Teil überwiegend mit Konzertausschnitten der Rio-Reiser-Band aus den 1980er Jahren bestritten, deren – mit Verlaub – dröger Mainstream-Rock wahrlich keine Eks­tase hervorruft. Mit der Zeit erkennt man immer deutlicher, dass der eigentliche Held der Doku auch gar nicht Reiser ist, sondern sein langjähriger musikalischer Partner, der stille und enigmatische Gitarrist R.P.S. Lanrue. Ihm merkt man hier als einzigem Gesprächspartner wirklich an, welch eine große Lücke Reisers Tod in seinem Leben hinterlassen hat.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

Lass uns ’n Wunder sein – Auf der Suche nach Rio Reiser Deutschland 2008; Regie: Stefan Paul; mit R.P.S. Lanrue, Corny Littmann,
Claudia Roth; Farbe, 90 Minuten; Kinostart: 9. Juli

Mehr über Cookies erfahren