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Jetzt im Kino: Spielverderber

SPIELVERDERBERParteiisch ist der Schiri („Der hat immer nur gegen uns gepfiffen!“), die entscheidenden Situationen hat er natürlich übersehen („Das war doch ein klarer Elfer!“) und ansonsten Dinge erkannt, die gar nicht stattgefunden haben („Das war niemals ein Foul!“). Kein Wunder, sollte man meinen, denn bekanntlich sind ja alle Schiedsrichter blind.

Dem unpopulärsten Mann auf dem Platz haben die Regisseure Georg Nonnenmacher und Henning Drechsler nun eine informative Dokumentation gewidmet, die wirkliches Verständnis we­ckt für die „Spielverderber“. Denn Hand aufs Herz, wer hätte nicht auch schon einmal geglaubt, die theatralische Gestik des Unparteiischen sei doch reichlich übertrieben? Doch da belehrt einen schon die erste Szene bei einem Schiedsrichterlehrgang für Jugend­liche eines Besseren: Hier erfährt man, dass beispielsweise bereits der Anpfiff „laut, klar und bestimmend“ sein müsse, damit nur ja keiner auf die Idee kommt, mit dem Schiri könne man umspringen, wie man wolle.

Drei Schiedsrichtern
verschiedener Altersstufen in unterschied­lichen Spielklassen sind die Regisseure auf und jenseits des Platzes gefolgt und beleuchten dabei die unterschiedlichsten Motivationen: Da ist zum Beispiel der anfangs eher unsichere Schüler Kevin Prösdorf, der durch seine neue Aufgabe spürbar an Selbstvertrauen gewinnt. Oder der 70-jährige Oreste Steiner, für den es nur noch ums Vergnügen geht: Er leitet immer noch Spiele, bei denen die Kicker glatt seine Enkel sein könnten. Der in der Bundesliga tätige Herbert Fandel betreibt das Schiedsrichterdasein hingegen als hochprofessionelle Karriere und ist umso enttäuschter, als er im Jahr 2006 nicht zu den von der FIFA auserwählten Referees für die WM in Deutschland gehört.

SPIELVERDERBERWirklich interessant ist bei alledem der Einblick in die Psychologie des Spiels und seiner Leitung: Dass er – wie 1999 beim Spiel Rostock gegen Ulm geschehen – gleich vier Spielern einer Mannschaft die rote Karte zeigt, würde heute bestimmt nicht mehr passieren, meint Fandel. Denn man könne Spiele nun einmal nicht allein „nach Gesetzbuch“ pfeifen, da müsse man schon mehr Gespür für die Situation und die Emotionen entwickeln. Also: Auch Schiedsrichter sind nur Menschen, die nie auslernen. Als Zuschauer könnte man beim nächsten Besuch eines Stadions kurz daran denken – ehe man dann losschimpft. Schließlich macht der Fußball ohne Zetern nur halb so viel Spaß.

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Sehenswert

Spielverderber Deutschland 2007; Regie: Georg Nonnenmacher, Henning Drechsler; Farbe, 92 Minuten; Kinostart: 11. Juni

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