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Kinderbuchverfilmung

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ im Kino

Die deutsche Kinder- und Jugendliteratur ist reich an Klassikern. Viele von ihnen entstanden bereits in den 1950er- und 60er-Jahren, geschrieben von berühmten Autoren wie Max Kruse, Otfried Preußler, James Krüss oder Michael Ende

Warner

Die zeitlose Beliebtheit ihrer Bücher lässt sich jenseits der unbestreitbaren literarischen Qualitäten leicht erklären: Figuren wie Endes Jim Knopf oder der Drittklässler Tobias in Boy Lornsens „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ sind entweder selbst abenteuerlustige Kinder oder sie verkörpern kongenial das Prinzip Kind, das sich etwa in Kruses frechem und neugierigen Fantasiedinosaurier Urmel ebenso entdecken lässt wie in der die erwachsenen Autoritäten infrage stellenden Kleinen Hexe von Preußler.

Viele dieser Bücher sind über die Jahre verfilmt worden, zumeist als Zeichentrick oder auch als Marionettenspiele der Augsburger Puppenkiste, die beispielsweise „Jim Knopf“ in den 60er- und 70er-Jahren gleich zweimal – in Schwarzweiß und in Farbe – verfilmte. Dass momentan ein wahrer Real-Verfilmungsboom der Klassiker ausgebrochen scheint, dürfte vor allem auf den Fortschritt der Tricktechnik zurückführen sein, die eine Interaktion von Schauspielern mit Fantasiefiguren immer realistischer wirken lässt. Künstlerisch fielen die bisherigen Ergebnisse dabei recht unterschiedlich aus: Während man „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ in einer sinnlosen „Modernisierung“ im letzten Jahr jeglichen Charme austrieb, konnte die vergleichsweise werkgetreue „Kleine Hexe“ kürzlich mit einer übermütigen und verspielten Karoline Herfurth in der Titelrolle punkten.

Nun steht also auch Michael Endes „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ als Realverfilmung von Regisseur Dennis Gansel an. Dass sich selbige relativ getreu an die Vorlage hält, dürfte die Mehrzahl der Fans – allein im deutschsprachigen Raum soll der Roman rund 20 Millionen Exemplare verkauft haben – beruhigen. Doch obwohl der Film auf den ersten Blick wenig falsch zu machen scheint, fehlt hier etwas. An den Schauspielern liegt es nicht: von Uwe Ochsenknecht (als schusseliger König Alfons der Viertel-vor-Zwölfte) über den vor allem aus TV- Serien („Der letzte Bulle“) bekannten Henning Baum (Lukas) bis zum jungen Engländer Solomon Gordon als pfiffiger Jim Knopf wissen sie in ihren Rollen durchaus zu überzeugen.

Trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass die Abenteuer von Jim, Lukas und ihrer Lokomotive Emma in Wüsten und Vulkanen, mit Scheinriesen und Halbdrachen hier ein wenig lieblos Stück für Stück abgehakt werden: eine etwas hölzerne Bebilderung ohne allzu großen Mehrwert. Vielleicht liegt es am Aufwand: Während die Marionettenspiele ja auch vom Charme der Beschränkung leben (unvergessen genial sind die bewegten Plastikplanen als Meer), wird in der für einen Kinderfilm außerordentlich teuren Neuverfilmung reichlich geklotzt. Es ist eine Binsenweisheit: Manchmal ist „Mehr“ am Ende dann doch weniger. Lars Penning

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer D 2018, 110 Min., R: Dennis Gansel, D: Solomon Gordon, Henning Baum, Uwe Ochsenknecht, Annette Frier, Start: 29.3.

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